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Bergsträßer Rede

Groß träumen in dunklen Zeiten

bbiewSabine Müller-Langsdorf

Die Pfarrerin für Friedensarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) Sabine Müller-Langsdorf hat sich dafür ausgesprochen, für den Frieden „groß zu träumen in dunklen Zeiten“ und zugleich im Kleinen praktisch tätig zu werden. „Das Weiter-Denken steht den Kirchen gut zu Gesicht. Kirchenmenschen können anders reden als Politikerinnen oder Politiker“, sagte die Pfarrerin in ihrer „Bergsträßer Rede“ in der Bensheimer Stephanusgemeinde, zu der das Evangelische Dekanat Bergstraße eingeladen hatte.

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Die Überwindung der deutschen Teilung und der Fall der Mauer hätten gezeigt, dass gewaltfreier Widerstand funktioniere. „Dem möchte ich weiterhin trauen“, betonte Müller-Langsdorf vor mehr als 60 Gästen und verwies auf die Aktionen von Fridays for Future, die als „Friedensbewegung unserer Zeit“ deutlich mache, dass Frieden ohne Klimagerechtigkeit nicht zu denken sei. Es gebe keinen Frieden ohne Gerechtigkeit. Ein gerechter Frieden sei mehr als die Abwesenheit von Krieg oder dem Schweigen der Waffen.

Verstrickt in Schuld

Um dem gerechten Frieden auf die Spur zu kommen, sollen wir kritisch fragen, wo wir selbst mitschuldig an Ungerechtigkeit und Unfrieden seien. Die Friedenspfarrerin verwies in diesem Zusammenhang unter anderem auf die deutschen Waffenexporte nach Saudi-Arabien, das in vom Krieg gebeutelten Jemen militärisch interveniere. „Waffen made in germany tragen in vielen Regionen zum Tod bei. Waffen befeuern Konflikte.“  Zugleich räumte sie vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges ein, dass sie nicht zu hundert Prozent gegen Waffenlieferungen sein könne. „Der Ukraine sollten wir die Freiheit zugestehen, sich mit Waffen zu verteidigen. Wie kann ich mir anmaßen, zu entscheiden, was sie zu tun und zu lassen habe.“ Sie warnte aber auch davor, dass Waffen „wandern“, unkontrolliert weiter gegeben werden. „Waffenlieferungen und Rüstungsexportkontrolle sind für mich zwei Seiten derselben Medaille.“

Gegen die Instrumentalisierung des Glaubens

Die Beteiligung der russisch-orthodoxen Kirche an der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) im September in Karlsruhe verteidigte Müller-Langsdorf und wies die Forderungen nach Ausladung der russischen Delegation zurück. Der Dialog und das Ringen um Verständigung seien zentral für den Friedensauftrag der Kirchen. „Der ÖRK hat jede Instrumentalisierung des Glaubens durch Staaten wie Kirchen scharf zurückgewiesen. Er hat die Position der Russisch-Orthodoxen Kirche, die vor allem in Person des Patriarchen Kyrill die imperiale Politik Putins theologisch legitimiere, klar widersprochen und sie zur Umkehr gerufen.“

Für nukleare Deeskalation

Müller-Langsdorf erinnerte in ihrer Rede auch an das friedensethische Impulspapier der EKHN von 2019, in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, den Atomwaffenverbotsantrag zu unterzeichnen. „Ich halte diese Forderung auch angesichts des Kriegs in der Ukraine für angemessen. Gerade jetzt braucht es internationale Bemühungen um eine nukleare Deeskalation.“

Zeugnisse für den Frieden und gegen den Krieg

Bei ihren Ausführungen hatte sich die Friedenspfarrerin auf fünf Zeuginnen bzw. Zeugen berufen, die als Nobelpreisträger bzw. Friedenspreisträger auf ihre Weise ihre Stimme gegen Krieg und Gewalt erhoben haben. Etwa die philippinische Journalistin Maria Ressa und ihr russischer Kollege Dmitri Muratov, die 2021 gemeinsam  den Friedensnobelpreis erhielten, weil sie sich mutig für Meinungs- und Pressefreiheit in ihren Ländern eingesetzt hatten. Oder die jemenitische Friedensnobelpreisträgerin Tawakkol Karman, die 2011 für ihren gewaltfreien Kampf für die Rechte von Frauen ausgezeichnet wurde; die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN), der 2017 der Friedensnobelpreis zugesprochen wurde für ihre Initiative zu einem Atomwaffenverbotsvertrag; die Europäische Union 2012 für viele Jahrzehnte Frieden, Versöhnung und Demokratie und nicht zuletzt der diesjährige Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, der ukrainische Schriftsteller und Künstler Serhij Zhadan für seine Gedichte und Konzerte, die Menschen im Luftschutzkeller Mut machen. Allen gemeinsam  sei, dass sie „groß träumen in dunklen Zeiten“. Es gebe auch viele praktische Schritte auf dem Weg zum Frieden und seien sie noch so klein. Sabine Müller-Langsdorf erwähnte unter anderem, dass die Stadt Heppenheim zwischen 1 und 4 Uhr nachts die Lichter ausschalte. „“Um Energie zu sparen. Um den Tyrannen zu sagen: nicht mit uns. Eine Entscheidung im Hier und Jetzt.“

Stell dir vor - Imagine

Die Kirchen hätten mit der Bibel eine eigene Sprache, eine Poesie der Hoffnung, die am ehesten mit den Worten der Dichter oder einer Musik vergleichbar sei. „Der Glaube ist eine feste Zuversicht auf das, was man hofft“, sagte die Friedenspfarrerin und zitierte aus der Offenbarung, in der es heißt: „Gott wird abwischen alle Tränen und es wird kein Leid mehr sein.“ Am Ende ihres Vortrags spielte sie den Song „Imagine“ von John Lennon ein, eine Friedensvision, in der es am Schluss heißt: „Du magst  sagen, ich bin ein Träumer, aber ich bin nicht der Einzige. Ich hoffe, eines Tages wirst du dich anschließen.“

Mit der Bergsträßer Rede will das Evangelische Dekanat nach den Worten von Präses Ute Gölz mit allen Interessierten über gesellschaftliche relevante Themen ins Gespräch kommen. Dekan Arno Kreh erklärte, dass dieses Jahr das friedensethische Thema gewählt worden sei, weil es durch den Ukraine-Krieg auch in der Kirche, die eine Kirche des gerechten Friedens sein wolle, eine große Verunsicherung geben.  Im nächsten Jahr wird nach Angaben des Dekanats die frühere Chefin von Brot für die Welt Cornelia Füllkrug-Weitzel die Bergsträßer Rede über die Klimakrise und mit Blick auf den Globalen Süden über Klimagerechtigkeit halten.

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