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„Halt an den Schritt“ – Ausstellung im Haus der Kirche

Luther und der Stolperstein

bbiew

Die Ausstellung „Luthers Sündenfall gegenüber den Juden“ im Heppenheimer Haus der Kirche ist zum Stolperstein geworden, der zum Innehalten auffordert und ein Zeichen gegen Hass und Gewalt setzen will.

Bildergalerie

Pfarrerin Dr. Vera-Sabine Winkler konzipierte den poetischen Stolperstein Birgit Geimer holte die Ausstellung nach Heppenheim "Halt an den Schritt" Stolpersteine zum Innehalten Luther und die Nazis waren sich im Wortlaut einig


In Anlehnung an die Verlegung von Stolpersteinen zur Erinnerung an die Opfer der Nationalsozialisten durch den Künstler Gunter Demning hat die Pfarrerin von Gorxheimertal, Dr. Vera-Sabine Winkler, einen poetischen Stolperstein entworfen. Auf ihm sind Texte zu lesen, die auf die Judenverfolgung und auf Luthers Judenfeinschaft Bezug nehmen. Wörtlich heißt es unter anderem: „Halt an den Schritt und sieh den Mann, der immer wieder zieht in Bann die Protestanten aller Welt…Halt an den Schritt und sieh die Schmach, durch die in ihm wird Hetze wach, weil Jesu Volk bekehrt sich nicht“. Bei der Neueröffnung der Ausstellung, die von der Bildungsreferentin des Evangelischen Dekanats, Birgit Geimer, nach Heppenheim geholt wurde, waren die poetischen Stolpersteine so aufgeschichtet, dass sie an eine Klagemauer erinnern.

Luthers Judenfeinschaft und die Folgen

Luther hatte zunächst geglaubt, dass sich die Juden massenweise bekehren werden, wenn sie die Bibel lesen. Als dies ausblieb, rief er dazu auf, die Juden zu bekämpfen und auszugrenzen.In seiner Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ aus dem Jahr 1543 hatte er unter anderem gefordert, ihre Synagogen in Brand zu setzen. „Luther hat den Nationalsozialisten nahezu das Programm geliefert, was mit Juden zu tun sei“, kritisierte Pfarrerin Winkler. Es sei erstaunlich, dass ein Mensch wie Luther, der selbst der Verfolgung und Diffamierung ausgesetzt gewesen sei, die Verfolgung und Diffamierung Andersdenkenden gefordert habe, so Pfarrerin Winkler. Auf einer Seite des quadratischen Stolpersteins ist auf hebräisch das Wort „ha makom“ zu lesen. Es ist ein Synonym für Gottes Anwesenheit an einem Ort. Orte, an denen den Opfern von Rassenhass gedacht wird, werden als „ha makom“ bezeichnet und ihnen damit die Nähe und Solidarität Gottes zugesprochen.

Stolperstein zum Innehalten

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat sich ausdrücklich von den judenfeindlichen Spätschriften Martin Luthers distanziert. Die Ausstellung will die Schattenseite des Reformators offenlegen und zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Luthers Judenfeindschaft beitragen. Mit dem poetischen Stolperstein wird zusätzlich eine Brücke geschlagen zur Pogromnacht am 9. November 1938 sowie zum 9. November 1989, der ohne die reformatorischen Impulse kritischer Christen in der DDR nicht möglich geworden wäre. Der Stolperstein fragt zudem danach, wo heute Widerstand gegen Unrecht und Ausgrenzung notwendig ist.

Stolperstein zum Mitnehmen

Pfarrerin Winkler appellierte an die Ausstellungsbesucher, sich jeweils einen der 20 mal 20 cm großen Stolpersteine mitzunehmen und sie zum Innehalten zu nutzen. Davon machten viele Gebrauch. Margarete Günther aus Bensheim meinte, sie wolle den Text zu Hause in Ruhe auf sich wirken lassen. „Ohne Stolperstein wollte ich nicht gehen.“ Konrad Boeger aus Gorxheimertal nahm für seine Frau einen Stolperstein mit. „Sie ist Lehrerin und kann ihn vielleicht im Geschichts- oder Kunstunterricht einsetzen.“ Ähnlich äußerte sich Melanie Rohn aus Birkenau, die ihren erwachsenen Kinder einen Stolperstein mitbringen wollte.

Die Ausstellung ist noch bis zum 12. Juni im Heppenheimer Haus der Kirche, Ludwigstr. 13, zu sehen. Öffnungszeiten sind werktäglich von 9 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei. Ab dem 16. Juni wird die Ausstellung über „Luthers Sündenfall gegenüber den Juden“ in der Evangelischen Kirche von Bickenbach gezeigt.

 

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