Sandra Hirschke / fundus-medien.de

Auferweckt durch Gottes Wort

Von Lukas von Nordheim

Es ist dunkel und kalt. Seine Knochen und Gelenke fühlen sich versteinert an. Doch Dämmerung setzt ein. Mit jedem Lichtstrahl, der ihn erreicht, beginnen bunte, warme Farben unter seinen Liedern zu tanzen.

Ist es möglich, dass sein geschundener Leib noch einmal leicht, frei und heil wird? Der Spott von Karfreitag verfolgt ihn. Doch durchs Todesdunkel hört er eine Stimme, die seine Einsamkeit durchbricht: „Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ 

Die Worte strömen durch seinen Körper, erreichen zuerst sein Herz und dann seinen Kopf: „Bei meiner Taufe hat dies die Stimme aus den Wolken gesagt und Gottes Heiliger Geist nahm in mir Wohnung.“ Die Worte lassen seinen erstarrten Körper erbeben und alles um ihn. Stein reibt auf Stein, Kies knirscht, dann wird er selbst in warmes Licht getaucht. 

Eine Hand, fasst seine durchbohrte Hand. Ein Arm legt sich um seine Schultern. Sanft wird er aufgerichtet. Nach einem Moment des Schwindels wird ihm auf die durchbohrten Beine geholfen. Sie tragen ihn wieder. Wieder erklingt die liebe, väterliche Stimme. Mit jedem Wort und Atemzug durchströmt ihn neue Lebenskraft. Ein Engel schaut ihn ermutigend an: „So mache dich auf, Jesus, unser Christus, und werde Licht, denn die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir.“ Da nimmt er den Stab entgegen mit dem Kreuz und der Siegesfahne. Mit zwei Händen hält er sich daran fest, stützt sein Gewicht ab, wagt einen ersten Schritt. Dann streckt er sich, greift neu zu, umfasst den Stab wie ein Zepter und tritt erhobenen Hauptes hinaus aus dem Grab hinein in das Licht des ersten Ostermorgen.

„Jesus spricht: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die Toten hören werden die Stimme des Sohnes Gottes, und die sie hören, die werden leben.“ Johannes 5,25

  • Der Autor Lukas von Nordheim ist Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Bensheim-Auerbach mit Hochstädten und der Evangelischen Michaelsgemeinde Bensheim.