Sandra Hirschke / fundus-medien.de

Die Hoffnung als Anker für die Seele

Von Nina Nicklas-Bergmann 

„Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus“, so haben wir früher Anfang Mai immer gesungen. Heute stimmt das so nicht mehr: Die Bäume haben schon längst ausgeschlagen. Schon Ende März / Anfang April haben die Magnolien geblüht, auch frühe Kirsch- oder Mandelbäume.

Vieles hat sich verschoben und verändert heutzutage, manches zum Besseren, anderes zum Schlechteren, wobei die Frage, was gut ist oder schlecht, natürlich auch immer eine Frage der Perspektive ist. Und ob es damals, als das Lied gedichtet wurde, gestimmt und die Bäume wirklich erst im Mai ausgeschlagen haben, das weiß ich auch nicht. Aber wie auch immer, vieles hat sich verändert gegenüber früher, und manches macht uns Angst oder verunsichert: Wie wird es weitergehen angesichts des sich ändernden Klimas – nicht nur in Bezug auf das Wetter, auch in Bezug auf das Klima in unserer Gesellschaft oder in unserer Welt?

Während ich diese Zeilen schreibe, ist weder ein Ende des Iran-Krieges noch des Ukraine-Krieges abzusehen, stattdessen droht im Nahen Osten ein Flächenbrand. Unsagbares Leid für die Menschen, die der Gewalt ausgesetzt sind, das hilflos und wütend macht, aber auch hier sind die Folgen zu spüren, die Preise, nicht nur an der Tankstelle, steigen.

Und wie das so ist in unsicheren Zeiten: Nicht wenige sehnen sich nach schnellen und einfachen Lösungen, hören auf die, die sie versprechen, und übersehen die fatalen Folgen.

Ermutigend und richtungsweisend empfinde ich den Monatsspruch für den Monat Mai. Ein Vers aus dem Brief an die Hebräerinnen und Hebräer (Kapitel 6, Vers 19):

„Die Hoffnung haben wir als einen festen und sicheren Anker unserer Seele.“

Gerade auch in unsicheren und unübersichtlichen Zeiten haben wir einen festen und sicheren Anker für unsere Seele und einen Grund, aus dem sich verlässlich Hoffnung schöpft: den Christus.

Er ist der Grund, der feste Halt, an dem wir uns festmachen dürfen und festmachen sollen, wenn wir suchen und finden wollen, wenn uns vieles durcheinanderwirbelt und alles unübersichtlich erscheint. Dieser Anker verbindet uns miteinander und lässt uns nicht voneinander los, sondern trägt uns durch alle Zeiten – auch durch schwere Zeiten hindurch – zu einem friedlichen Zusammenleben.

Wenn uns der Mut sinkt angesichts von Leid und Gewalt, ja selbst dem Tod gegenüber, dürfen wir darauf vertrauen, dass unsere Seele in dem verankert ist, der stärker ist als alle Angst. Er will uns Kraftquelle sein, so dass wir verantwortlich leben und handeln können.

Dazu segne uns Gott.

  • Die Autorin Nina Nicklas-Bergmann ist Pfarrerin in den Evangelischen Kirchengemeinden Lindenfels und Fürth/Odenwald.