Carina Louise Schmidt-Marburger will Kirche „lebendig und solidarisch“ gestalten

veröffentlicht 22.05.2026 von mr, Ev. Dekanat Bergstraße

Die Evangelische Kirchengemeinde Schwanheim hat wieder eine Pfarrerin: Carina Louise Schmidt-Marburger tritt zum 1. Juni ihren Dienst an. Die 34-Jährige bringt Erfahrungen aus Dorfgemeinden, Synodenarbeit und der Verbindung von Kunst, Glaube und gesellschaftlicher Verantwortung mit.

Die Vakanz ist zu Ende: Ab 1. Juni hat die Evangelische Kirchengemeinde Schwanheim eine neue Pfarrerin. Carina Louise Schmidt-Marburger übernimmt die Seelsorge in dem Bensheimer Stadtteil. Zu ihrem unmittelbaren Zuständigkeitsbereich gehören auch die evangelischen Christinnen und Christen aus Fehlheim, Langwaden und dem Zwingenberger Stadtteil Rodau.

Die 34-Jährige folgt auf Pfarrer Dr. Frank Fuchs, der im Mai 2025 nach langer Krankheit im Alter von 59 Jahren gestorben ist. Offiziell in ihr Amt eingeführt wird Schmidt-Marburger am Sonntag, 16. August, um 14 Uhr in der Evangelischen Kirche Schwanheim. Im Anschluss lädt die Gemeinde zu einem Empfang ein.

Wer Carina Louise Schmidt-Marburger begegnet, trifft auf eine Pfarrerin, die Kirche nicht als abgeschlossenen Raum versteht, sondern als lebendige Gemeinschaft, die sich in die Gesellschaft einmischt. Glaube, so sieht sie es, erschöpft sich nicht im Privaten. Er hat Folgen für das Zusammenleben.

Kein selbstverständlicher Weg

Dabei begann ihr eigener Weg zur Kirche keineswegs selbstverständlich. Aufgewachsen ist sie im Ruhrgebiet, in einem Elternhaus, das sie selbst als „eher kirchenfern“ beschreibt. Erst als Konfirmandin lernte sie Kirche und Glauben näher kennen. Was sie dort erlebte, prägte sie nachhaltig: „Lebendig und einladend, hoffnungsfroh und solidarisch, gemeinschaftlich, bunt und aktiv – so habe ich Kirche erlebt, und schnell war klar: ich möchte auch Pfarrerin werden!“ 

Diesen Entschluss setzte sie konsequent um. Von 2011 bis 2018 studierte sie Evangelische Theologie in Marburg, Münster und Mainz. Besonders die Jahre an der Universität Marburg hinterließen Spuren in ihrem theologischen Denken. Die Begegnung mit Kontextueller Theologie, Befreiungstheologie und Politischer Theologie habe sie, schreibt Schmidt-Marburger, „nachhaltig geformt und geprägt“. 

Aus dieser Prägung leitet sie einen klaren Anspruch an Kirche ab. Für sie ist Glauben „nie nur etwas privates, innerliches“. Ihr christlicher Glaube habe Konsequenzen „für die Gestaltung unserer Welt“. Deshalb liege ihr viel daran, „an einer solidarischen, rassismuskritischen und diversitätssensiblen Kirche mitzubauen“. 

Die Bedürnisse der Menschen im Blick

Erste praktische Erfahrungen sammelte sie im Vikariat in Oberhessen. In den kleinen Orten Hirzenhain und Steinberg lernte sie kirchliche Arbeit im ländlichen Raum kennen. Dort erlebte sie aus nächster Nähe, wie Kirche in kleineren Gemeinden funktioniert und welche Bedürfnisse Menschen in infrastrukturell schwächeren Regionen haben. 

Auf das Landleben folgte ein Kontrastprogramm: Für ihr Spezialvikariat wechselte Schmidt-Marburger nach Frankfurt ins Zentrum Verkündigung, genauer in die Abteilung „Kunst und Kirche“. Dass sie diesen Bereich besonders reizte, überrascht nicht. Kunst und Glaube verbindet sie gedanklich eng miteinander. Beides habe, sagt sie, „etwas Transzendentes, etwas, das über uns Menschen hinausgeht“. Kunst könne Fragen stellen, verzaubern, Gegenwart sichtbar machen, sie hinterfragen oder „visionär weiterdenken“. 

Nach einer Vakanzvertretung im Vogelsberg führte ihr Weg zurück in die Gemeindearbeit. Seit Sommer 2021 war sie Pfarrerin in vier Dörfern des ebenfalls ländlich geprägten Dekanats „Gießener Land“. Dort prägte sie nach eigenen Angaben der „ganz normale, bunte und trubelige Pfarramts-Alltag“. Gleichzeitig setzte sie Arbeitsschwerpunkte: in der Begleitung der Menschen vor Ort und beim Aufbau neuer Strukturen im Nachbarschaftsraum. 

Einsatz für tragfähige Rahmenbedingungen

Denn gute Gemeindearbeit braucht aus ihrer Sicht tragfähige Rahmenbedingungen. Deshalb engagierte sich Schmidt-Marburger nicht nur vor Ort, sondern auch auf übergeordneter Ebene. Sie brachte ihre Perspektiven in Dekanats- und Landessynode sowie im Dekanatssynodalvorstand ein. Dort habe sie „viel lernen“ dürfen und Kirche „in der Region und darüber hinaus mitgestalten“ können. 

Nun beginnt für sie ein neuer Abschnitt an der Bergstraße. Der Wechsel nach Schwanheim hat für die Pfarrerin auch eine persönliche Dimension: Ein Teil ihres Freundeskreises lebt bereits in der Region. Ins Schwanheimer Pfarrhaus zieht sie gemeinsam mit ihrer Frau Dr. Julia Marburger - ebenfalls Pfarrerin - und drei Katzen ein. Sie blickt dem Neustart mit Vorfreude entgegen und ist gespannt, „wie sich Kirche und Glaube hier in dieser Region zeigen“. 

Vor allem möchte sie an ihrem neuen Wirkungsort Menschen begleiten – in guten wie in schweren Zeiten. Sie freue sich auf die Zusammenarbeit mit dem Kirchenvorstand, mit dem Verkündigungsteam und den Ehrenamtlichen im Nachbarschaftsraum „Lorsch-Einhausen Schwanheim“, erklärt sie. Dabei wird sie Teil eines größeren kirchlichen Veränderungsprozesses. Bekanntlich bilden die Kirchengemeinden Schwanheim, Einhausen und Lorsch zum 1. Januar 2027 gemeinsam die Gesamtkirchengemeinde „Lichtscheingemeinde“. Schmidt-Marburger verstärkt damit zugleich das Verkündigungsteam um Pfarrerin Beatrice Northe aus Einhausen, die Pfarrer Renatus Keller und Dominique Olivier aus Lorsch sowie Gemeindepädagogin Charlotte Rendel.

"Ihr soll in Freude ausziehen"

Dass sie Veränderung nicht scheut, hat ihre bisherige Laufbahn bereits gezeigt. Und dennoch bleibt ihr Verständnis von Kirche erstaunlich bodenständig: Kirche lebt für sie dort, wo Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen. „Gemeinsam mit anderen Kirche lebendig zu gestalten und die frohe Botschaft weiterzutragen und in unserer Gesellschaft zu leben, das ist nicht nur mein Beruf, sondern auch unser gemeinsamer Auftrag“, betont sie. 

Für ihren Weg nach Schwanheim hat sie auch einen biblischen Satz im Gepäck. Ein Vers aus dem Buch Jesaja begleitet sie und soll, wie sie schreibt, „Mut und Kraft schenken“: „Ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden.“ (Jesaja 55,12). 

Und wenn die Pfarrerin einmal nicht arbeitet? Dann trifft sie Freundinnen, verbringt Zeit in der Natur, lernt Schwedisch oder plant die nächste Reise mit dem Interrail-Zug. Vielleicht passt gerade das zu ihrem Bild von Kirche: unterwegs sein, offen bleiben, Menschen begegnen. Ab Juni nun in Schwanheim.