Doppelhaushalt und Reformthemen prägten Frühjahrstagung der Dekanatssynode

veröffentlicht 27.04.2026 von mr, Ev. Dekanat Bergstraße

Die Synode des Evangelischen Dekanats Bergstraße hat den Doppelhaushalt 2026/27 beschlossen und neue Leitlinien für die Verwendung von Finanzausgleichsmitteln der Landeskirche verabschiedet. Zudem standen Themen wie Fotovoltaik auf dem „Haus der Kirche“-Dach, die Zukunft des Gerhart-Hauptmann-Hauses oder die Novellierung der Kirchengemeindewahlordnung im Fokus.

Die Beschlussfassung über den Doppelhaushalt für die Jahre 2026 und 2027 stand im Mittelpunkt der jüngsten Synode des Evangelischen Dekanats Bergstraße, die unter der Leitung von Präses Ute Gölz in der Notkirche der Evangelischen Lukasgemeinde Lampertheim tagte. Mit großer Mehrheit billigte das regionale Kirchenparlament die im Ergebnishaushalt jeweils rund 24,9 Millionen Euro umfassenden und zudem in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichenen Zahlenwerke. Übrigens eine Premiere in der Dekanatsgeschichte: Einen Doppelhaushalt hat es bis dato noch nicht gegeben.

Beim Löwenanteil der beiden Etats, die von Finanzausschussmitglied Maik Lautersbach im Detail präsentiert wurden, handelt es sich um die Budgets der Gemeindeübergreifenden Trägerschaft (GüT), in der aktuell 19 der insgesamt fast 40 evangelischen Kindertagesstätten im Bereich des Dekanats organisiert sind: Die Geschäftstätigkeit der GüT schlägt in beiden Etats mit jeweils rund 21,6 Millionen Euro zu Buche.

Im Vorfeld der Beratung und Beschlussfassung über den Doppelhaushalt 2026/2027 hatten die Synodalen Gelegenheit, mit Mitarbeitenden des Evangelischen Regionalverwaltungsverbandes Starkenburg-West eventuell vorhandene Fragen zu den Zahlenwerken zu klären.

Ebenfalls mit großer Mehrheit beschloss die Dekanatssynode bei ihrer Frühjahrstagung die neuen Leitlinien für die Vergabe von Mitteln aus dem Finanzausgleich der Landeskirche. Thomas Blöcher, Mitglied des Finanzausschusses, stellte die Novellierung vor. 70 Prozent der Mittel fließen als allgemeiner Finanzausgleich in Projekte der Nachbarschaften – orientiert an der Zahl der Gemeindeglieder –, 30 Prozent stehen für regionale Projekte im Dekanat zur Verfügung, etwa in der Notfallseelsorge oder Hospizarbeit. Über die Verteilung beschließt jeweils die Frühjahrssynode.

Die jüngste Tagung der Dekanatssynode diente auch dazu, ein Stimmungsbild für zwei mögliche Projekte des Dekanats zu erheben: Der Dekanatssynodalvorstand (DSV) trägt sich mit dem Gedanken, auf dem Heppenheimer „Haus der Kirche“, dem Sitz der Dekanatsverwaltung, eine Fotovoltaikanlage zu installieren. Die Synode steht der Idee positiv gegenüber; zugleich wurde angeregt, dabei auch die Erneuerung der Heizungsanlage mitzudenken.

Um ein Stimmungsbild bat der Dekanatssynodalvorstand die Mitglieder des regionalen Kirchenparlaments auch mit Blick auf das dekanatseigene Gerhart-Hauptmann-Haus. Das Dekanat subventioniert den Betrieb des in die Jahre gekommenen Freizeitheims im Grasellenbacher Ortsteil Scharbach gegenwärtig aus Rücklagen. Die Belegungszahlen sind zwar gut, jedoch wird das Selbstversorgerhaus vor allem von nichtkirchlichen Gruppen nachgefragt. Überdies erscheint eine Modernisierung unausweichlich; auch Personalfragen müssen geklärt werden.

Die Dekanatsleitung zieht auch einen Verkauf des Gerhart-Hauptmann-Hauses in Betracht. In ihren Wortmeldungen bat eine Reihe von Synodalen darum, der DSV möge konkrete Zahlen vorlegen und mögliche Szenarien aufzeigen. Eine Beschlussfassung erfolgte – wie zuvor beim Thema Fotovoltaikanlage auf dem „Haus der Kirche“-Dach – noch nicht.

Die Frühjahrstagung der Dekanatssynode hatte nach der Andacht von Pfarrer Markus Müsebeck (Lampertheim), am Klavier begleitet von Kantor Till Otto (Birkenau), mit dem traditionellen Bericht von Dekanin Sonja Mattes begonnen. Darin widmete sie sich unter anderem der Kirchenvorstandswahl im Jahr 2027. Für diesen Urnengang müssen bereits in diesem Jahr die ersten Schritte getan werden. Die Landessynode hat in diesen Tagen bereits eine entscheidende Veränderung auf den Weg gebracht, nämlich die Kirchengemeindewahlordnung novelliert:

Wer menschen- und kirchenfeindliche Äußerungen macht, entsprechende Verhaltensweisen an den Tag legt oder sich in einer solchen Weise betätigt, dem bleibt die Wählbarkeit in Kirchenvorstände und andere kirchliche Leitungsorgane versagt. Dazu Sonja Mattes: „Inwiefern sich das dann im Rahmen unserer anstehenden Wahlen konkret ausdrücken wird, werden wir noch sehen, aber es ist ein Aufschlag gemacht – und das ist gut so. Ich hoffe jedenfalls, dass wir viele und geeignete Menschen für unsere neuen Kirchenvorstände, Ortsausschüsse und unsere Synode hier finden werden. Alle diese Ämter tragen unsere Kirche.“

Um den aktuellen Mandatsträgern zu danken, lädt der Dekanatssynodalvorstand – unterstützt vom „Haus der Kirche“-Team – im September zu einem Fest ein. Die Kirchentagsband „Habakuk“ gestaltet ein (Mitsing-)Konzert; für Speisen und Getränke wird gesorgt sein: „Lassen Sie uns einen fröhlichen Abend miteinander verbringen“, so Frau Mattes. Die Einladungen werden demnächst verschickt.

Ermutigend fiel die Bilanz der Dekanin auch mit Blick auf den Zusammenschluss der ehemals 44 Kirchengemeinden zu nunmehr elf Nachbarschaften aus: „Die gute Nachricht ist, dass überall wesentliche Schritte gemacht oder zumindest weitestgehend vorbereitet sind. Und dafür möchte ich allen im Dekanat einen ganz großen Dank aussprechen.“

Es sei allen Nachbarschaften – wenn auch nicht immer einstimmig – dennoch rechtzeitig gelungen, sich auf eine Rechtsform zu einigen. Am Ende des Prozesses werde es im Dekanat Bergstraße sieben Gesamtkirchengemeinden und vier durch Fusion entstandene Kirchengemeinden geben. Nun heiße es, dem Ganzen Leben einzuhauchen, sich umzugewöhnen und – wenn es an die Klärung der vielen kleinen Detailfragen gehe – „barmherzig miteinander umzugehen“.

„Sehr positiv“ stelle sich auch die Personalsituation in den Nachbarschaften dar, bilanzierte die Dekanin abschließend, ohne die im Zuge des Reformprozesses „ekhn2030“ unausweichlichen Stellenkürzungen kleinzureden. Immerhin seien aber ab Juni in neun von elf der Zusammenschlüsse alle Positionen – Pfarrpersonen, Kirchenmusik und Gemeindepädagogik - voll besetzt.

Gute Nachrichten hatte in diesem Zusammenhang auch stellvertretende Dekanin Silke Bienhaus mitgebracht: Für die jüngst ausgeschiedene Dekanatsjugendreferentin Ulrike Schwahn tritt in diesen Wochen Laura Weber ihren Dienst an. Und als neue Koordinatorin der Notfallseelsorge – die Stelle wird dankenswerterweise vom Kreis Bergstraße finanziert – konnte Christine Burg-Seibel verpflichtet werden. Beide werden demnächst in ihre Ämter eingeführt.

Jenna Reibold, Leiterin der neu gegründeten Regionalen Diakonie Südhessen, nutzte die Dekanatssynode, um die Organisation als breit aufgestellten sozialen Akteur vorzustellen. Die Diakonie verstehe sich als Anwältin für Menschen ohne eigene Lobby und bewege sich im Spannungsfeld von sozialer Arbeit, Kirche und Sozialpolitik. Ziel sei es, Lebensrealitäten sichtbar zu machen und Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen konkret zu unterstützen – von Familienberatung über Hilfe bei Wohnungslosigkeit bis hin zur Begleitung in Krisen.

Zugleich betonte Reibold, dass sie sich eine enge Verzahnung von kirchlicher und diakonischer Arbeit wünsche, und sie machte dem Dekanat und den Kirchengemeinden das Angebot einer intensiven Zusammenarbeit. Ihr Credo: „Wir wollen nicht zu Gast sein, sondern dazugehören.“

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