„Im Vertrauen auf unseren Herrn Jesus Christus und unter dem Schutz seiner Gnade bilden die Kirchengemeinden Gorxheimertal, Birkenau und Reisen, Mörlenbach, Zotzenbach und Rimbach die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Bergstraße-Odenwald-Süd.“ So beginnt die Präambel der Satzung, mit deren feierlicher Unterzeichnung die genannten Kirchengemeinden jetzt im Evangelischen Gemeindehaus Birkenau Tatsachen geschaffen haben:
Das protestantische Quintett hat im Zuge des Reformprozesses „ekhn2030“ mit den Unterschriften ihrer Kirchenvorstandsvorsitzenden und deren Stellvertretern sowie den kirchlichen Siegeln bekräftigt, einen „gemeinsamen Weg im Dienst und zur Ehre Gottes“ gehen zu wollen, wie es in der Einleitung weiter heißt: „Diese Verbindung steht im Zeichen der Einheit und des gemeinsamen Glaubens.“ Zusammengefügt wurde sie „mit dem festen Willen, die individuellen Stärken, Traditionen und geistlichen Prägungen jeder einzelnen Gemeinde zu bewahren und zu achten“.
Auf vier DIN-A4-Seiten und in 14 Paragrafen wird geregelt, wie die Zusammenarbeit künftig erfolgen soll. Denn eine solche Gesamtkirchengemeinde ist keine unverbindliche Runde, sondern der verbindliche Zusammenschluss mehrerer Kirchengemeinden unter einem gemeinsamen Dach. Wirksam wird die Unterzeichnung der Satzung zum 1. Januar 2027. Die einzelnen Gemeinden bleiben zwar vor Ort bestehen und behalten ihre Identität, nach außen handelt jedoch nur noch die neue gemeinsame Einheit. Sie übernimmt zentrale Aufgaben wie Verwaltung, Finanzen und Personal.
Geleitet wird die Gesamtkirchengemeinde von einem gemeinsamen Gremium, dem Gesamtkirchenvorstand. Er trifft die wichtigsten Entscheidungen für alle beteiligten Gemeinden. Vor Ort können allerdings zusätzliche Ausschüsse Aufgaben übernehmen, etwa für einzelne Projekte oder Bereiche.
Für die insgesamt fast 8000 Mitglieder der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Bergstraße-Odenwald-Süd ändert sich wenig: Sie gehören weiterhin ihrer örtlichen Gemeinde an, sind aber zugleich Teil der größeren Einheit. Ziel ist es, angesichts sinkender Mitgliederzahlen, reduzierter Kirchensteuereinnahmen und weniger Personal Kräfte zu bündeln, Abläufe zu vereinfachen und die kirchliche Arbeit langfristig zu sichern.
Beim Unterzeichnungstermin in Birkenau, bei dem mehr als zwei Dutzend Ausfertigungen der Satzung unterschrieben und gesiegelt werden mussten, würdigte Pfarrerin Vera-Sabine Winkler (Gorxheimertal) als Sprecherin der sogenannten Steuerungsgruppe die Gründung der neuen Gesamtkirchengemeinde als bedeutenden Schritt für das kirchliche Miteinander. Es sei „ein Grund zur Freude“, betonte sie, und zugleich ein wichtiges Teilziel, das nach einem langen, intensiven und stets von gegenseitiger Wertschätzung geprägten Prozess erreicht worden sei.
Die beteiligten Kirchengemeinden hätten sich bewusst dafür entschieden, künftig gemeinsam unter dem Namen „Evangelische Gesamtkirchengemeinde Bergstraße-Odenwald-Süd“ zu wirken. In ihrer Ansprache stellte Winkler den Zusammenschluss in einen größeren Zusammenhang. Gerade in einer Zeit, in der Konflikte, Krieg und Zerstörung vielerorts präsenter seien als Frieden, gewinne die Botschaft Jesu besondere Bedeutung. Sie zitierte aus der Bergpredigt: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes heißen.“ Dieses Wort verstehe sie als Leitgedanken für das gemeinsame Handeln in der neuen Struktur.
Die Gesamtkirchengemeinde sei, so Winkler weiter, ein Schritt in die Zukunft. Sie solle Raum bieten für ein lebendiges und zugleich friedliches Miteinander aller Gemeindeglieder und Gruppen – trotz und gerade wegen ihrer Verschiedenheit. Zugleich verband sie mit dem Zusammenschluss eine weitergehende Hoffnung: Das Engagement für Frieden im kirchlichen Alltag könne auch eine Ermutigung sein, an die Möglichkeit von Verständigung zwischen Konfliktparteien, Völkern und Religionen zu glauben.
Der biblische Zuspruch solle alle Akteure begleiten, erklärte Winkler, und sie dazu ermutigen, „im Kleinen wie im Großen weiterzugehen“. Ziel bleibe ein harmonisches, vom Glauben getragenes Miteinander, das nun mit der rechtlich vollzogenen Gründung der Gesamtkirchengemeinde eine verbindliche Grundlage erhalten habe. Vorausgegangen war dem Satzungsbeschluss bereits im vergangenen Jahr die Einigung über einen gemeinsamen Gebäudebedarfs- und Entwicklungsplan (wir haben berichtet).