Mit einem Gottesdienst in der Evangelischen Kirche in Mörlenbach hat der Evangelische Nachbarschaftsraum Odenwald Süd die Gemeindepädagogin Anke Thürigen verabschiedet. Nach fast zwei Jahrzehnten Arbeit in den Kirchengemeinden Birkenau und Mörlenbach endet damit ein prägender Abschnitt kirchlicher Kinder-, Jugend- und Familienarbeit in der Region.
Viele Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter, ehemalige Konfirmandinnen und Konfirmanden sowie Mitarbeitende aus den Gemeinden nahmen an dem Gottesdienst teil. Im Anschluss an die Feier in der Kirche kamen sie bei einem Empfang zusammen, um Erinnerungen auszutauschen und sich persönlich von Thürigen zu verabschieden.
Gestaltet wurde der Gottesdienst von Pfarrerin Mirjam Daume-Wolff und der stellvertretenden Dekanin Silke Bienhaus. Als biblisches Leitwort stand ein Vers aus Psalm 16 im Mittelpunkt: „Du zeigst mir den Weg zum Leben. Große Freude finde ich in deiner Gegenwart und Glück an deiner Seite für immer.“
In ihrer Laudatio würdigte Pfarrerin Daume-Wolff die langjährige Arbeit der Gemeindepädagogin. Thürigen habe die Kinder- und Jugendarbeit in der Region entscheidend geprägt und über viele Jahre hinweg aufgebaut. „Was heute selbstverständlich klingt – Kooperation und gelebte Nachbarschaft über Gemeindegrenzen hinweg – war damals noch Zukunftsmusik“, sagte sie. Thürigen habe Menschen aus verschiedenen Gemeinden zusammengebracht und den Gedanken gestärkt, dass Kirche über Gemeindegrenzen hinaus zusammengehört.
Auch persönlich habe sie Thürigen als engagierte und verlässliche Kollegin erlebt, sagte Daume-Wolff. Besonders geschätzt habe sie die gemeinsame Vorbereitung von Gottesdiensten, etwa für Konfi-3 oder Familiengottesdienste. Dabei seien intensive Gespräche über biblische Texte entstanden, aus denen kreative und lebendige Gottesdienste hervorgegangen seien.
Daume-Wolff erinnerte außerdem an Thürigens Humor und ihre direkte Art. Sie habe auch in schwierigen Situationen oft für eine entspannte Atmosphäre gesorgt. Gleichzeitig habe sie sich stets leidenschaftlich für die Anliegen von Kindern, Jugendlichen und für ihre Berufsgruppe eingesetzt.
In das Lob der Kollegin aus dem Verkündigungsteam stimmte auch Anke Thürigens Vorgesetzte Silke Bienhaus ein, sie stellte neben der großen Leidenschaft für ihren Beruf und die tiefe Verwurzelung im christlichen Glauben auch die hohe Qualifikation heraus: Frau Thürigen ist Erzieherin, Sozial- und Gemeindepädagogin und besitzt die Befähigung, um Religionsunterricht zu erteilen.
Die stellvertretende Dekanin war nicht nach Mörlenbach gekommen, um Frau Thürigen zu „entpflichten“ – also aus den Dekanatsdiensten als Gemeindepädagogin zu entlassen -, sondern um sie zu verabschieden: Anke Thürigen bleibt dem Evangelischen Dekanat Bergstraße nämlich erhalten und wechselt ins Heppenheimer „Haus der Kirche“. Dort wird sie die Vakanzvertretung im zurzeit nicht besetzten Referat „Kirche mit Kindern“ übernehmen.
In ihrer anschließenden Abschiedsrede blickte Anke Thürigen auf ihren beruflichen Weg zurück. Direkt nach dem Studium begann sie am 15. Februar 2007 ihre erste Stelle als Gemeindepädagogin in Birkenau. Dort lag der Schwerpunkt zunächst auf der Arbeit mit Kindern. Später kamen weitere Aufgaben hinzu, etwa in der Zusammenarbeit mit dem Kindergarten.
Ein wichtiges Projekt war für sie die Einführung von Konfi-3 im Jahr 2010. Gemeinsam mit anderen entwickelte sie das Konzept für Birkenau. Anfangs habe es viel Skepsis gegenüber dem neuen Modell gegeben. Inzwischen habe sich die Arbeit jedoch bewährt. Die Gruppen seien seit vielen Jahren konstant gut besucht und führten viele Kinder später auch in die Konfirmandenzeit.
Im Laufe der Jahre übernahm Thürigen weitere Aufgaben im Dekanat, sie war auch in der Heppenheimer Heilig-Geist- sowie der Bensheimer Stephanusgemeinde tätig. Schließlich entstand aus der Zusammenarbeit der Kirchengemeinden Birkenau und Mörlenbach eine gemeinsame Stelle. Seit 2017 war diese Kooperation eine Dekanatsstelle für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien – damals eine neue Form der Zusammenarbeit im Dekanat.
In dieser Zeit entstanden zahlreiche Projekte und Formate: Kinderbibeltage, Konfi-Freizeiten, Familien- und Kindergottesdienste, Familienkirche, Psalmtage oder Kleinkindgottesdienste. Viele Kinder und Jugendliche hätten in diesen Angeboten Glauben entdeckt, Fragen gestellt und Gemeinschaft erlebt.
Besonders wichtig sei ihr dabei immer gewesen, über Gemeindegrenzen hinweg zu arbeiten, sagte Thürigen. „Gemeindegrenzen sind für mich keine Grenzen.“ Gerade im ländlichen Raum sei es entscheidend, Kräfte zu bündeln und gemeinsam neue Wege zu suchen.
Der Abschied falle ihr nicht leicht, sagte die Gemeindepädagogin. „Mir ist immer bewusster geworden, dass ich mit Leib und Seele Gemeindepädagogin bin.“ Anke Thürigen wörtlich: „Ich liebe, was ich tue!“ Nun beginne für sie jedoch ein neuer Abschnitt.
Mit vielen persönlichen Worten, Dank und guten Wünschen endete der Gottesdienst. Für viele der Anwesenden bleibt die Erinnerung an eine Gemeindepädagogin, die über viele Jahre hinweg Kinder, Jugendliche und Familien in der Region begleitet hat.