Die Renovierung der evangelischen Kirche in Hähnlein nähert sich ihrem Abschluss. Was über Jahre vorbereitet und in den vergangenen beiden Jahren unter schwierigen Bedingungen umgesetzt wurde, ist inzwischen deutlich sichtbar: Der historische Kirchenraum wurde umfassend erneuert, technisch modernisiert und zugleich stärker an seine Geschichte angenähert. Noch fehlen einzelne Bausteine. Doch die Evangelische Kirchengemeinde Hähnlein sieht ihr Projekt auf der Zielgeraden.
Das Ziel der Baumaßnahme war von Anfang an mehr als eine klassische Sanierung. Die Kirche soll Gotteshaus bleiben, zugleich aber flexibler nutzbar werden und künftig mehr Raum für Begegnung, Veranstaltungen und Gemeindeleben bieten. Dazu gehören ein barrierefreier Zugang, ein neu gestalteter Altarbereich, moderne Heiz-, Beleuchtungs- und Medientechnik sowie ein Innenraum, der historische Elemente bewahrt und neu interpretiert.
Im Mittelpunkt der Veränderungen steht der vordere Bereich der Kirche. Dort entstand ein barrierefreier Zugang. Der Altarraum wurde auf das Fußbodenniveau des Kirchenschiffs abgesenkt und Teile des historischen Bankgestühls entfernt, wodurch neuer Raum entstand. Im vorderen Kirchenschiff wichen einige Bankreihen; dort können künftig Stühle stehen. Statt einer starren Anordnung soll der Raum künftig je nach Anlass unterschiedlich bespielt werden können – für Gottesdienste ebenso wie für kulturelle Veranstaltungen oder kleinere Begegnungsformate.
Die Arbeiten verliefen jedoch nicht geradlinig. Während der Umbauten rückte die Geschichte des Gebäudes unerwartet nahe. Im Kirchenraum kamen historische Grabstätten zum Vorschein. Die Funde verlangten umfangreiche Untersuchungen und bremsten die Bauarbeiten über Monate aus. Archäologische Fachleute dokumentierten die Gräber und ihre Inhalte sorgfältig. Zugleich mussten Planungen angepasst werden: Fußbodenaufbau, Raumgestaltung und einzelne bauliche Entscheidungen standen plötzlich erneut zur Debatte.
Auch jenseits der Grabfunde zeigte sich, wie komplex die Arbeit an einem denkmalgeschützten Gebäude ist. Unter späteren Farbschichten traten ältere Fassungen und historische Gestaltungselemente hervor. Der Kirchenraum orientiert sich nun stärker an einer früheren Ausmalung. Wände, Emporen und Holzflächen erhielten neue Farben. Restauratorische Befunde flossen in das Gestaltungskonzept ein. Dabei ging es nicht um eine vollständige Rekonstruktion, sondern um einen bewussten Spagat zwischen historischem Vorbild und heutiger Nutzung.
Parallel dazu wurde die technische Infrastruktur praktisch neu aufgebaut. Elektrik, Beleuchtung, Heiztechnik und Medienanschlüsse mussten in den alten Baukörper integriert werden. Die Orgel wurde zeitweise gesichert und später wieder eingebaut. Auch die Akustik, Beleuchtungsszenarien und digitale Anschlüsse spielten bei der Neuplanung eine Rolle.
Inzwischen hat die Kirche ihr neues Gesicht weitgehend erhalten. Der Innenraum wirkt heller, offener und freundlicher. Zugleich bleibt die Geschichte des Hauses an vielen Stellen sichtbar – in freigelegten Details, restaurierten Oberflächen und in der bewussten Entscheidung, historische Spuren nicht vollständig zu überdecken.
Ganz fertig ist das Projekt allerdings noch nicht. Ausstehend ist unter anderem die neue Eingangstür, die zurzeit angefertigt wird und Mitte Juli eingebaut werden soll. Auch Teile der Außenanlage und die barrierefreie Rampe sind noch nicht fertiggestellt. Überdies laufen einzelne technische und gestalterische Arbeiten weiter. Dennoch möchte die Gemeinde den erreichten Stand bereits zeigen: Für Freitag, 19. Juni, ist ein sogenanntes Pre-Opening geplant. Dazu lädt die Kirchengemeinde ausdrücklich ihre Spenderinnen und Spender ein. Sie sollen Gelegenheit erhalten, die renovierte Kirche noch vor der eigentlichen Wiedereröffnung zu besichtigen, Erläuterungen zum Umbau zu erhalten und einen ersten Eindruck vom neuen Kirchenraum zu gewinnen.
Die eigentliche Wiedereinweihung soll einige Monate später folgen: Ein Festgottesdienst am Kerbsonntag, 18. Oktober, ist bereits vorgesehen. Dann möchte die Gemeinde die umfassend erneuerte Kirche offiziell wieder in Besitz nehmen und das Ende eines Projekts feiern, das von intensiven Bauarbeiten, unerwarteten Herausforderungen und vielen Diskussionen über den richtigen Weg zwischen Bewahren und Erneuern geprägt war.
Der Umbau der Hähnleiner Kirche ist damit weit mehr geworden als eine Renovierung. Er erzählt von einem Gebäude, das seine Geschichte nicht ablegt, sondern weiterträgt – und sich zugleich für neue Anforderungen öffnet. Oder, wie das Motto des Projekts verspricht: Die „Hejner Kersch“ soll nicht nur erhalten bleiben, sondern „noch schenner“ werden.