Im Pfarrgarten der Evangelischen Kirchengemeinde Beedenkirchen drehte sich beim bundesweiten Hitzeaktionstag alles um die Frage, wie Menschen heiße Sommertage gesund überstehen können. Das Evangelische Dekanat Bergstraße, die Kirchengemeinde Beedenkirchen und die Psychosozialen Fachkräfte auf dem Land (PauLa novo) nutzten die Veranstaltung, um über Gesundheitsrisiken durch Hitze zu informieren und zugleich auf die Bedeutung sogenannter „Kühler Orte“ aufmerksam zu machen.
Den Rahmen für die Aktion bildete der wöchentliche Mittagstisch „Keiner bleibt allein Zuhause“. Dort kommen Seniorinnen und Senioren aus dem Ort regelmäßig zusammen. „Wer schwer zu Fuß ist, der wird abgeholt – und wer nicht wie gewohnt auftaucht, nach dem wird gefragt“, berichtet Ulrike Damko-Schellhaas. Gemeinsam mit Ruth Roth und vielen weiteren Ehrenamtlichen sorgt sie jeden Donnerstag dafür, dass rund 30 Gäste ein frisch gekochtes Mittagessen erhalten.
"Angereichertes Wasser"
Zum Hitzeaktionstag gab es diesmal zusätzlich Informationen und praktische Anregungen für den Umgang mit hohen Temperaturen. Marcel Anke und Andrea El Abed vom Regionalteam Odenwald von PauLa novo standen gemeinsam mit Sabine Allmenröder, Referentin für Gesellschaftliche Verantwortung im Evangelischen Dekanat Bergstraße, für Gespräche zur Verfügung. Sie informierten insbesondere ältere Menschen, Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen über die gesundheitlichen Risiken von Hitze und Möglichkeiten der Vorsorge.
Großes Interesse weckten die Kostproben von sogenanntem „angereichertem Wasser“. Auf dem Informationstisch lagen Äpfel, Zitronen, Wassermelonen, Gurken, Rosmarin, Zitronenmelisse und Zimtstangen bereit. Unter den Blicken der eintreffenden Gäste bereiteten Marcel Anke und Andrea El Abed verschiedene Varianten des Getränks zu. „Odenwälder Leitungswasser eignet sich prima zum Trinken und mit den leckeren Zutaten macht es einfach mehr Spaß“, erläuterte Marcel Anke. Gleichzeitig zeigten die beiden Fachkräfte, dass sich die Getränke mit einfachen Mitteln herstellen lassen. „So etwas hat jede und jeder zuhause“, erklärte Andrea El Abed mit Blick auf die verwendeten Flaschen, Gläser und Karaffen.
Kühle Rückzugsorte
Die Aktion lenkte den Blick aber nicht nur auf ausreichendes Trinken, sondern auch auf Orte, die Menschen während extremer Hitze Schutz bieten können. Kirchenvorstand Jürgen Schellhaas verwies auf die besonderen Bedingungen in Beedenkirchen. „Die Kirche in Beedenkirchen mit ihren über einem Meter dicken Steinwänden bleibt im Sommer oft lange kühl, wenn es draußen schon über dreißig Grad hat“, betonte er. Auch im Pfarrwäldchen hinter der Kirche sei es unter den großen Bäumen regelmäßig mehrere Grad kühler als in der Umgebung. Solche Orte könnten Menschen helfen, die heißesten Stunden des Tages besser zu überstehen.
„Darauf wollen wir mit unserer Aktion aufmerksam machen“, sagte Sabine Allmenröder. Nach ihren Worten gibt es im Dekanat Bergstraße viele Kirchen und kirchliche Grundstücke, die als kühle Rückzugsorte in Frage kommen. Im Zusammenhang mit dem Klimaschutzkonzept des Kreises Bergstraße werde deshalb darüber nachgedacht, wie solche Orte während Hitzeperioden zugänglich gemacht und ausgestattet werden könnten. Trinkwasserstellen, Liegestühle für ältere Menschen oder Spiel- und Leseangebote für Kinder seien Beispiele dafür, wie Kirchen zum längeren Verweilen einladen könnten.
#kühlekirche
Die Überlegungen knüpfen an die bundesweite Initiative #kühlekirche an. Dazu haben die Evangelische Kirche in Deutschland und die Diakonie Deutschland Kirchengemeinden und diakonische Einrichtungen aufgerufen. Kirchen sollen an heißen Tagen ihre Türen öffnen und Menschen einen kühlen Aufenthaltsort bieten. In vielen Städten und Kommunen ist das Konzept inzwischen bereits Teil kommunaler Hitzeschutzpläne.
Angestoßen wurde die Beteiligung der Bergsträßer Kirchengemeinden durch einen Aufruf des Zentrums Bildung und Gesellschaft der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Dessen Referentin für den ländlichen Raum, Dr. Maren Heincke, verweist auf die besonderen Herausforderungen der Region. Teile von Hessen-Nassau und auch die Bergstraße gehörten zu den heißesten Regionen Deutschlands.
Die zunehmende Zahl von Hitzetagen und Tropennächten wirke sich unmittelbar auf Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen aus. Hitze sei heute eines der größten klimawandelbedingten Gesundheitsrisiken in Deutschland. Besonders gefährdet seien ältere Menschen, Menschen mit Vorerkrankungen und wohnungslose Menschen. Gleichzeitig brauche es neben Klimaschutzmaßnahmen mehr Möglichkeiten zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels. „Die Menschen benötigen kostenfreie Möglichkeiten, sich abzukühlen und zu erholen. Kirchengebäude können einer dieser ,Kühlen Orte‘ sein“, erklärte Heincke.
Wichtige Schutzfunktion
Noch sind viele Kirchen außerhalb der Gottesdienstzeiten geschlossen. Die Betreuung offener Gebäude erfordert Zeit, Personal und finanzielle Mittel. Dennoch gibt es im Dekanat Bergstraße bereits mehrere Kirchen, die zeitweise oder dauerhaft geöffnet sind. Die Dorfkirche in Beedenkirchen gehört dazu. Auch in Lorsch stehen die Kirchentüren täglich offen. Bislang dienen diese Angebote vor allem touristischen Zwecken. Angesichts zunehmender Hitzeperioden könnten sie künftig jedoch zusätzlich eine wichtige Schutzfunktion übernehmen.
Ob daraus eines Tages ein flächendeckendes Netz „Kühler Orte“ entstehen kann, ist noch offen. Sabine Allmenröder sieht darin jedoch eine Aufgabe, der sich Kirche gemeinsam mit Kommunen und weiteren Partnern stellen sollte. „Kirche lebt von der Hoffnung und vom Gemeinsinn“, sagt sie. Wenn die Herausforderungen wachsen, könnten auch neue Lösungen entstehen. Der Hitzeaktionstag in Beedenkirchen hat gezeigt, dass dafür vor Ort bereits viele Menschen an einem Strang ziehen.