Seit Jahresbeginn gibt es einen „Neuen Wehrdienst“ in Deutschland. Damit stellt sich für junge Menschen die Frage: „Bin ich dazu bereit?“ Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) möchten bei dieser Gewissens- und Glaubensfrage unterstützen: Mit Unterstützung des Zentrums Oekumene – einer gemeinsamen Einrichtung der beiden Landeskirchen – starten sie eine Kampagne zum Thema.
Rund 20.000 junge Mitglieder von EKHN und EKKW, die in den kommenden zwölf Monaten 18 Jahre alt und von der Bundeswehr angeschrieben werden, erhalten auch eine Postkarte von ihrer Kirche. Sie weist auf die Internetseite www.deine-meinung.info hin. Dort finden sich vielfältige Informationen, Broschüren, Videos und Links zum Thema Gewissen, Wehrdienst, Wehrpflicht, Kriegsdienstverweigerung und zu Freiwilligendiensten, aber auch Kontakt- und Beratungsmöglichkeiten. Für das persönliche Gespräch stehen Friedens-Fachleute sowie Referentinnen und Referenten aus der kirchlichen Jugendarbeit vor Ort bereit.
„Entscheidungen über einen möglichen Dienst in der Bundeswehr verlangen Zeit, Orientierung und Unterstützung“, ist Pfarrerin Sabine Müller-Langsdorf, Referentin für Friedensarbeit im Zentrum Oekumene, überzeugt. Sie berät junge Menschen, Reservisten und Soldaten zur Kriegsdienstverweigerung und weiß: „Themen wie Wehrdienst oder Krieg waren für viele junge Leute bisher weit weg.“
Das habe sich mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine geändert. Manche sähen im Wehrdienst die beste Option, zur Freiheit ihres Landes beizutragen. Andere hingegen plage die Sorge, im Kriegsfall zur Armee geholt zu werden. Sie fragten nach dem Recht auf Kriegsdienstverweigerung. Dritte lehnten jegliche Form von Gewalt grundsätzlich für sich ab, schildert Müller-Langsdorf und ergänzt:
„Der Neue Wehrdienst in Deutschland ist eine Antwort auf eine veränderte Sicherheitslage. Junge Leute müssen eine Gemengelage von Gefühlen, Pflichten und Rechten für sich innerlich sortieren. Fragen von Frieden und Gewalt berühren ja auch das Gewissen.“
Die beiden Landeskirchen wollen dafür einen sicheren, ergebnisoffenen Beratungsraum bieten, der hilft, persönliche Werte zu klären und einen verantwortlichen eigenen Weg zu finden. Militärisch oder zivil – die evangelische Kirche sieht beide Wege als mögliche Beiträge zum Frieden.
Weitere Informationen gibt es auf www.deine-meinung.info