Träume von einer Kirche und Gesellschaft ohne Ausgrenzung

veröffentlicht 23.08.2026 von mr, Ev. Dekanat Bergstraße

Mit einem ökumenischen Gottesdienst in St. Georg hat am Freitagabend das Programm zum zweiten CSD Bergstraße begonnen, der am Samstag stattfand. Unter dem Motto „Ich habe einen Traum …“ ging es um Hoffnung, Vielfalt und den Mut, Brücken über Vorurteile und Ausgrenzung zu bauen.

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Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der katholischen Kirche St. Georg hat am Freitagabend das Programm zum zweiten Christopher Street Day (CSD) Bergstraße begonnen, der am Samstag stattfand. Unter dem Motto „Ich habe einen Traum …“ rückte die Feier die Hoffnung auf eine vielfältige Gesellschaft ohne Ausgrenzung in den Mittelpunkt. 

Pfarrerin Claudia Pisa von der Evangelischen Stephanusgemeinde Bensheim griff diesen Gedanken in ihrer Predigt auf. Pfarrvikar Ludger Maria Reichert von der gastgebenden katholischen Kirchengemeinde Heilig Geist an der Bergstraße wirkte ebenfalls als Seelsorger mit. Ein Team aus den beteiligten kirchlichen Gruppen gestaltete den Gottesdienst gemeinsam. Vorbild war der Gottesdienst beim CSD in Darmstadt eine Woche zuvor.

Die Kirchengemeinde Heilig Geist hatte für den Gottesdienst ihre Kirche St. Georg am Bensheimer Marktplatz geöffnet. Beteiligt waren darüber hinaus der Caritasverband Darmstadt, der Bund der Deutschen Katholischen Jugend Bergstraße, das Katholische Jugendbüro Südhessen, die Regionale Diakonie Südhessen, das Evangelische Dekanat Bergstraße und die Evangelische Jugend im Dekanat Bergstraße. Bereits im Vorfeld hatten die kirchlichen Einrichtungen angekündigt, mit dem Gottesdienst ein Zeichen für Vielfalt, Respekt und ein gutes Miteinander setzen zu wollen.

Das Bild des Traums als roter Faden

Wie ein roter Faden zog sich das Bild des Traums durch die Feier. Schon das Programmheft zeigte eine Leiter in Regenbogenfarben, die sich in einen blauen Himmel erstreckt. Die biblische Geschichte von Jakobs Traum von der Himmelsleiter aus dem ersten Buch Mose bildete die Grundlage für die Verkündigung. Auch Gebete, Texte und Musik nahmen die Motive von Traum, Hoffnung und Aufbruch auf. Zu hören waren unter anderem „Da wohnt ein Sehnen tief in uns“, „Aus Traum und Tränen“, „Halte deine Träume fest“ und der ABBA-Song „I Have a Dream“.

Für die Musik sorgte die Band des Evangelischen Dekanats Bergstraße unter der Leitung ihres Bandleaders Bruno Ehret. Sie begleitete die Gemeinde bei den gemeinsamen Liedern und setzte mit Instrumentalmusik und Gesang eigene Akzente. Damit prägte sie die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes, in dem traditionelle und neuere geistliche Lieder ebenso ihren Platz hatten wie „I Have a Dream“.

In ihrer Predigt veränderte Pisa zunächst die Perspektive auf die Himmelsleiter. Eine Leiter müsse nicht nur aufrecht stehen und Himmel und Erde verbinden, sagte sie. Quer gelegt eröffne sie ganz andere Möglichkeiten: Sie könne zur Trage für einen erschöpften oder verletzten Menschen werden. Sie könne aber auch als Brücke dienen und zwei Orte oder Menschen miteinander verbinden. Eine Leiter könne so helfen, Gräben und Trennendes zu überwinden. Damit dies gelinge, brauche es Menschen an beiden Enden, die Halt geben.

Brücken bauen

Diese Bilder wurden während der Predigt szenisch aufgegriffen. Die Leitern im Kirchenraum machten sichtbar, wovon Pisa sprach: von Verbindung und Begegnung, aber auch davon, dass Menschen andere tragen und stützen können. Die Pfarrerin bezog das Bild unmittelbar auf die Menschen, die zum CSD und zum Gottesdienst zusammengekommen waren. Sie seien Menschen, „die Brücken bauen wollen“, obwohl sie Mauern, Ablehnung und Angst erlebten. Dem stellte sie die Überzeugung entgegen, dass Liebe stärker sein könne als Hass und dass sich Brücken über Vorurteile, Angst und Verletzungen bauen ließen.

Dazu brauche es Mut. Eine ausgestreckte Hand könne zurückgewiesen werden, und der Blick auf Gemeinsamkeiten könne immer wieder auf Unterschiede gelenkt werden, führte Pisa aus. Mut müsse jedoch niemand allein aufbringen. Wo die eigene Kraft nicht ausreiche, könnten andere Menschen Mut teilen und dabei helfen, wieder zuversichtlich in die Welt zu gehen. Die Pfarrerin schlug damit die Brücke zum Thema Hoffnung: „Ich glaube, Mut speist sich aus Hoffnung.“ Gemeint sei die Hoffnung darauf, dass sich die Welt, das Zusammenleben und auch das eigene Leben verändern könnten.

Diese Hoffnung verband Pisa mit der Geschichte Jakobs. Als Jakob von der Himmelsleiter träumt, befindet er sich auf der Flucht vor seinem Bruder Esau. Er hat seinen Vater getäuscht und seinen Bruder um dessen Segen gebracht. Dennoch begegne Gott ihm im Traum nicht mit Strafe, sondern mit einer Verheißung. Jakobs Geschichte müsse nicht mit Täuschung und Enttäuschung enden. Die Gottesbegegnung eröffne ihm eine andere Zukunft und damit die Möglichkeit, sich selbst zu verändern. Für Pisa steht diese Geschichte für die Hoffnung auf eine gerechtere, buntere und tolerantere Welt, in der nicht Hass und Angst bestimmen, wie Menschen miteinander umgehen.

Unantastbare Würde

Einen weiteren Schwerpunkt setzte die Pfarrerin bei der Würde jedes Menschen. Sie verband den christlichen Glauben an einen liebenden Gott mit dem ersten Artikel des Grundgesetzes. Wer daran glaube, dass Gott jeden Menschen gewollt habe, könne nicht zugleich darüber entscheiden, welcher Mensch mehr oder weniger wert sei. Die unantastbare Würde des Menschen bilde zugleich die Grundlage des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Aus Glaube, Hoffnung und Liebe entwickelte Pisa schließlich ihre eigenen Träume. Sie sprach von einer Kirche, in der niemand zunächst beweisen müsse, dass er oder sie dazugehöre. Sie träume von einer Gesellschaft, die Vielfalt nicht als Gefahr, sondern als Geschenk begreife, und von Beziehungen, in denen Menschen einander aufrichteten, statt sich gegenseitig herunterzuziehen. Diesen Traum verstand sie zugleich als Ausdruck ihres Glaubens: Gott bleibe nicht auf Distanz, sondern komme den Menschen entgegen und ermögliche Verbindung. Ob eine Leiter stehe oder quer liege, sei deshalb am Ende nicht entscheidend. Wichtig sei, dass sie Entfernungen überwinde und Begegnung ermögliche.

Das Motto „Ich habe einen Traum …“ erinnerte zugleich an Martin Luther King und dessen Vision einer Gesellschaft ohne rassistische Ausgrenzung. Pisa weitete diesen Gedanken auf die Gegenwart aus. Menschen sollten nicht nach Herkunft, Lebensform oder Sexualität beurteilt werden, sondern einander als Menschen begegnen. Dieser Traum sei noch lange nicht ausgeträumt. Brücken entstünden dort, wo Menschen selbst bereit seien, zu einer solchen Verbindung für andere zu werden.

An Stationen selbst aktiv

Der Gottesdienst blieb dabei nicht auf Worte und Musik beschränkt. An mehreren Stationen im Kirchenraum konnten die Mitfeiernden selbst aktiv werden. Sie konnten Kerzen für ihre Träume und Gebete entzünden und Steine als Zeichen für Schweres und Belastendes ablegen. Wer wollte, konnte sich persönlich segnen lassen. Weitere Stationen luden dazu ein, sich an Leib und Seele zu stärken oder mit leichten, bunten Federn das Motiv des Traums aufzunehmen.

Auch die gemeinsamen Gebete griffen den Gedanken einer offenen und vielfältigen Gemeinschaft auf. Im Programm war das Vaterunser als „Vater-/Mutterunser“ überschrieben. Nach Fürbitten und Gebeten führte der Gottesdienst zum „Segen für alle“. Zum Abschluss spielte die Band des Evangelischen Dekanats Bergstraße „Until all are fed“. Das Lied nahm noch einmal die Verantwortung für andere Menschen und die Frage nach einem gerechten Miteinander auf.

Die Kollekte am Ausgang war für das Beratungsnetzwerk Rainbow Refugee Support der AIDS-Hilfe Hessen und der hessischen Aidshilfen bestimmt. Das Angebot richtet sich an queere Geflüchtete. Mit einem musikalischen Nachspiel endete der Gottesdienst.

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