Mit vier Konzerten an allen Donnerstagen im September laden die Bensheimer Orgelwochen auch in diesem Jahr dazu ein, die große Vielfalt und Ausdruckskraft der Orgelmusik zu entdecken. In der Evangelischen Michaelskirche (Darmstädter Str. 25, Bensheim) erklingen Werke vom französischen und norddeutschen Barock über die Musik Johann Sebastian Bachs bis hin zu Kompositionen des 20. Jahrhunderts und Improvisationen. Den Auftakt gestaltet am Donnerstag, 3. September, die Viernheimer Organistin Soo Young Kyoung. Es folgen Konzerte mit Gregor Knop, Christian Mause und Jorin Sandau. Beginn ist jeweils um 19.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Den Auftakt am 3. September gestaltet Soo Young Kyoung mit einem Programm unter dem Titel „Vom Marienlob zum Osterjubel“. Die Organistin aus Viernheim nimmt das Publikum mit auf eine musikalische Reise durch mehr als zwei Jahrhunderte europäischer Orgelmusik.
Zu Beginn erklingt Nicolas de Grignys „Ave Maris Stella“, das auf den mittelalterlichen Marienhymnus zurückgeht. Mit dem Präludium und der Fuge e-Moll von Nicolas Bruhns führt der musikalische Weg anschließend in die norddeutsche Barocktradition. Carl Philipp Emanuel Bachs Orgelsonate g-Moll Wq 70/6 eröffnet mit ihren drei Sätzen eine empfindsame und ausdrucksstarke Klangwelt des 18. Jahrhunderts.
Ein Höhepunkt ist Johann Sebastian Bachs große Fuge in Es-Dur BWV 552, deren monumentale Klangwirkung und kunstvolle Polyphonie zu den besonderen Meisterleistungen der Orgelmusik zählen. Den Schlusspunkt setzt eine Improvisation von Charles Tournemire über die Ostersequenz „Victimae paschali laudes“. Damit führt der musikalische Bogen vom Marienlob zum österlichen Jubel.
Am Donnerstag, 11. September, steht das Konzert von Gregor Knop unter dem Titel „Gebet und Erinnerung“. Auf dem Programm stehen Werke von Jehan Alain, Johann Sebastian Bach, Dietrich Buxtehude, François Couperin und Maurice Duruflé.
Mit Jehan Alains „Litanies“ beginnt das Konzert eindringlich und konzentriert. Es folgen Bachs Partita über „Sei gegrüßet, Jesu gütig“ und Buxtehudes festliches Präludium in D-Dur. Ausschnitte aus François Couperins „Messe pour les couvents“ geben anschließend Einblick in die farbenreiche französische Barocktradition.
Den Abschluss bildet Maurice Duruflés „Prélude et Fugue sur le nom d’Alain“, eine Hommage an Jehan Alain, der 1940 im Alter von nur 29 Jahren im Krieg ums Leben kam. Duruflé verarbeitet dabei den Namen „Alain“ als musikalisches Motiv. So beginnt das Konzert mit Alains musikalischem Gebet und endet mit einer eindringlichen Erinnerung an den Komponisten.
Am 17. September übernimmt Christian Mause die Orgel. Sein Konzert trägt den Titel „Brücken durch die Zeit – Von der Farbe des Nordens zum Glanz des Barock“ und verbindet Musik aus vier Jahrhunderten.
Den Auftakt bildet Jan Pieterszoon Sweelincks berühmte „Fantasia cromatica“. Mit Samuel Scheidts „Alamanda“ folgt ein Werk eines bedeutenden Sweelinck-Schülers. François Couperins festliches „Offertoire sur les Grands jeux“ führt anschließend in die farbenprächtige Klangwelt der französischen Barockorgel.
Im Zentrum des Programms steht Dietrich Buxtehudes „Präludium, Fuge und Ciacona in C“. Buxtehudes Musik prägte auch den jungen Johann Sebastian Bach nachhaltig. Die Verbindung reicht bis ins 20. Jahrhundert: In „Hommage à Buxtehude“ setzt sich der tschechische Komponist Petr Eben mit der Musik des norddeutschen Meisters auseinander.
Den glanzvollen Abschluss bildet Bachs Präludium und Fuge G-Dur BWV 541. In ihm verbinden sich Einflüsse der niederländischen, norddeutschen und französischen Orgeltradition zu einem Werk von großer musikalischer Strahlkraft.
Zum Abschluss der diesjährigen Orgelwochen ist am Donnerstag, 24. September, Jorin Sandau in der Michaelskirche zu hören. Unter dem Titel „Vom Morgenglanz zum unüberwindlichen Helden“ präsentiert er ein Programm, das von der Barockmusik bis in die Moderne reicht.
Georg Muffats virtuose „Toccata Decima“ eröffnet den Abend. Es folgen Johann Sebastian Bachs Choralbearbeitung „Dies sind die heilgen zehn Gebot“ und Louis-Nicolas Clérambaults farbenreiche „Suite du Premier ton“. Mit Arnold Mendelssohns Partita über „Morgenglanz der Ewigkeit“ rückt anschließend das Motiv von Licht und Ewigkeit in den Mittelpunkt.
Paul Hindemiths Sonate Nr. 2 führt in die Klangsprache des 20. Jahrhunderts. Den Abschluss bildet eine Improvisation über „Unüberwindlich starker Held, St. Michael“. Damit entsteht zugleich ein unmittelbarer Bezug zur Bensheimer Michaelskirche und ihrem Namenspatron.
Die vier Konzerte zeigen auf unterschiedliche Weise, wie wandelbar die Orgel als Instrument und wie lebendig ihre Musiktradition ist. Von mittelalterlichen Hymnen und der Klangpracht des Barock über geistliche Musik und musikalische Erinnerung bis hin zu modernen Kompositionen und freier Improvisation reicht das Spektrum der diesjährigen Bensheimer Orgelwochen.
Damit bieten die Septemberkonzerte nicht nur einen Einblick in die Geschichte der Orgelmusik, sondern auch vier ganz unterschiedliche musikalische Zugänge zu einem Instrument, das wie kaum ein anderes für klangliche Vielfalt und Ausdruckskraft steht.
Die Konzerte beginnen jeweils donnerstags um 19.00 Uhr in der Evangelischen Michaelskirche Bensheim. Der Eintritt ist frei. Am Ausgang wird um eine Spende zur Unterstützung der Konzertreihe und der Kirchenmusik gebeten.