Vom Bau der Ortskrankenkasse bis zum heutigen Dekanatssitz – das „Haus der Kirche“ wird 100 Jahre alt

veröffentlicht 15.06.2026 von mr, Ev. Dekanat Bergstraße

100 Jahre Geschichte, 22 Jahre kirchliches Zentrum: Das „Haus der Kirche“ in Heppenheim feiert 2026 seinen 100. Geburtstag. Ein Rückblick auf die Geschichte des markanten Gebäudes und die Entstehung des gemeinsamen Dekanatssitzes an der Bergstraße.

Heute ist das „Haus der Kirche“ in der Ludwigstraße 13 in Heppenheim selbstverständlicher Sitz des Evangelischen Dekanats Bergstraße. Doch vor mehr als zwei Jahrzehnten bedeutete der Einzug in das markante Gebäude einen wichtigen Schritt in der Entwicklung der evangelischen Kirche an der Bergstraße. Mit dem Erwerb und der Umgestaltung des ehemaligen Kreissozialamtes entstand erstmals ein gemeinsames Zentrum für die damals drei südhessischen Dekanate Bergstraße Mitte, Bergstraße Süd und Ried. 

Die Idee dahinter war ebenso einfach wie zukunftsweisend: Die evangelischen Dekanate standen Anfang der 2000er Jahre vor neuen Aufgaben. Neben klassischen Arbeitsfeldern wie Erwachsenenbildung, Jugendarbeit und Ökumene gewannen gesellschaftliche Verantwortung, Öffentlichkeitsarbeit und die Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden zunehmend an Bedeutung. Um diesen Herausforderungen besser begegnen zu können, sollten Kräfte gebündelt und Synergien genutzt werden. 

Lange Geschichte

Ein geeignetes Gebäude fand sich mitten in der Kreisstadt Heppenheim. Nachdem die Kreisverwaltung in einen Neubau umgezogen war, stand das ehemalige Kreissozialamt an der Ludwigstraße zur Verfügung. Die evangelische Kirche erwarb die Immobilie Ende 2002. Anschließend begann eine umfassende Sanierung und Umgestaltung. Wände wurden versetzt, Decken und Böden erneuert und die Räume an die Bedürfnisse der kirchlichen Arbeit angepasst. Die Bauleitung lag in den Händen des pensionierten Bauingenieurs Christian Kupfer, der die Renovierungs- und Einrichtungsarbeiten koordinierte. 

Dass das „Haus der Kirche“ heute auf eine lange Geschichte zurückblicken kann, wird im Jahr 2026 besonders deutlich: Das Gebäude feiert seinen 100. Geburtstag. Errichtet wurde es 1925/26 als Ortskrankenkasse und prägt bis heute das Heppenheimer Villenviertel zwischen Ludwigstraße, Nibelungenstraße und Stadtbach. Der repräsentative Bau mit seinem aufgeschobenen Walmdach, den Sandsteingewänden und dem markanten halbrunden Vorbau gilt als typischer Vertreter der traditionsgebundenen Architektur der 1920er Jahre. Als Teil der denkmalgeschützten Gesamtanlage des Villenviertels steht er zugleich für ein bedeutendes Kapitel der Heppenheimer Stadtentwicklung. Das Wohngebiet, das seit Beginn des 20. Jahrhunderts nach Plänen des Stadtbaumeisters Jakob Maier und unter dem Einfluss der Reformideen der Jugendstilzeit entstand, zählt heute zu den orts- und kunstgeschichtlich bedeutsamsten Quartieren der Kreisstadt.

Mehr als ein Verwaltungsgebäude

Das neue Zentrum sollte weit mehr sein als ein Verwaltungsgebäude. Neben den Büros für Dekaninnen, Dekane und Verwaltungsmitarbeitende wurden Räume für die Dekanatsjugendreferate, die Notfallseelsorge, die Öffentlichkeitsarbeit sowie verschiedene Fachstellen geschaffen. Zwei Seminarräume ermöglichten Fortbildungen und Sitzungen. Im großzügigen Foyer waren Ausstellungen vorgesehen, und gemeinsam mit dem Diakonischen Werk sollten weitere Projekte untergebracht werden. Auch Archiv- und Lagermöglichkeiten fanden in dem dreigeschossigen Gebäude Platz. 

Dass dieses Konzept bis heute trägt, zeigt ein Blick auf die gegenwärtige Nutzung des Hauses. Das „Haus der Kirche“ ist heute Sitz der Geschäftsstelle der Gemeindeübergreifenden Trägerschaft der Evangelischen Kindertagesstätten im Evangelischen Dekanat Bergstraße, der Geschäftsstelle der Notfallseelsorge Bergstraße sowie der Geschäftsstelle der Mitarbeitendenvertretung. Darüber hinaus sind hier die Referate Digitale Medienbildung, Familienbildung, Fundraising, Gesellschaftliche Verantwortung, Kinder und Jugend sowie Ökumene und Mission angesiedelt. Ebenfalls im Haus untergebracht sind die Dekanatsleitung mit den zugehörigen Sekretariats- und Verwaltungskräften. Damit vereint das Gebäude auch mehr als zwei Jahrzehnte nach seiner Eröffnung zentrale Aufgaben, Dienste und Arbeitsfelder des Evangelischen Dekanats Bergstraße unter einem Dach.

Familie unter einem Dach

Ein wichtiger Beweggrund für den Umzug war die räumliche Nähe der Mitarbeitenden. Was zuvor auf verschiedene Standorte verteilt war, sollte künftig unter einem Dach zusammenarbeiten. Die Verantwortlichen versprachen sich davon kürzere Wege, schnellere Abstimmungen und eine bessere Vernetzung der unterschiedlichen Arbeitsbereiche. In einem Zeitungsbericht wurde dies mit dem Bild einer Familie beschrieben, deren Kommunikation leichter fällt, wenn alle unter einem Dach wohnen. 

Im Sommer 2003 wurde das Vorhaben Wirklichkeit. Ende Juli und Anfang August zogen die ersten Mitarbeitenden und Einrichtungen in die neuen Räume ein. Möbel, Akten, Schreibtische und Schränke wurden in das frisch renovierte Gebäude gebracht. Dekanin Ulrike Scherf aus dem Dekanat Bergstraße Mitte und Dekan Helmut Steigler aus dem Dekanat Bergstraße Süd gehörten zu den ersten, die ihre Arbeit am neuen Standort aufnahmen. 

Als die Mitarbeitenden 2003 in das neue „Haus der Kirche“ einzogen, existierte das heutige Evangelische Dekanat Bergstraße noch nicht. Das Gebäude war zunächst als gemeinsames Zentrum für die drei Dekanate Bergstraße Mitte, Bergstraße Süd und Ried gedacht. Hinter diesen Namen verbarg sich eine lange Entwicklung kirchlicher Strukturen in der Region. Bereits im frühen 20. Jahrhundert waren zahlreiche Gemeinden zwischen Seeheim, Viernheim und dem Odenwald im Dekanat Zwingenberg zusammengefasst. In den 1950er Jahren entstanden daraus unter anderem die Dekanate Zwingenberg und Rimbach. Im Jahr 2000 wurden diese in „Bergstraße Mitte“ und „Bergstraße Süd“ umbenannt, bevor sie sich 2006 zum Evangelischen Dekanat Bergstraße zusammenschlossen. Eine weitere Vergrößerung erfolgte 2019 mit der Eingliederung von zehn Kirchengemeinden aus dem aufgelösten Dekanat Ried. Damit entwickelte sich das Dekanat zu seiner heutigen Gestalt, die sich von Seeheim im Norden bis Viernheim im Süden, von Nordheim im Westen bis Affolterbach im Osten erstreckt.

Herzstück des Dekanats

Die offizielle Einweihung ließ allerdings noch einige Monate auf sich warten. Während zunächst eine Eröffnung im September vorgesehen war, erfolgte die feierliche Einweihung schließlich am 6. Dezember 2003. Damit erhielt das neue Zentrum auch offiziell seinen Namen: „Haus der Kirche“. 

Schon damals waren die Erwartungen hoch. Die Initiatoren sahen in dem Haus einen zentralen Ort der evangelischen Kirche an der Bergstraße – offen für die Öffentlichkeit, gut erreichbar und geeignet, die Zusammenarbeit über Dekanatsgrenzen hinweg zu stärken. Zugleich sollten durch die gemeinsame Nutzung von Räumen, Technik und Infrastruktur Kosten eingespart werden. Professor Heinz Ufer, Vorsitzender des Dekanatssynodalvorstands des damaligen Dekanats Bergstraße Süd, sprach von einem Standort, der für die Süddekanate kaum besser hätte gewählt werden können. 

Mehr als zwanzig Jahre später zeigt sich, dass die Entscheidung von damals weitreichende Folgen hatte. Das „Haus der Kirche“ ist bis heute das zentrale Verwaltungs- und Begegnungszentrum des Evangelischen Dekanats Bergstraße – ein Ort, an dem kirchliche Arbeit koordiniert, gestaltet und weiterentwickelt wird. Was 2003 als gemeinsames Servicezentrum begann, hat sich dauerhaft als Herzstück des Dekanats etabliert.