Das Evangelische Dekanat Bergstraße hat Verstärkung bekommen: Dr. Julia Marburger übernimmt einen Verwaltungsauftrag im Nachbarschaftsraum „Evangelisch am Melibokus“. Die Pfarrstelle ist der Evangelischen Kirchengemeinde Zwingenberg zugeordnet. Mit einer halben Stelle unterstützt die promovierte Theologin das hauptamtliche Team bei Gottesdiensten und Kasualien. Mit der anderen Hälfte ihrer Stelle wird sie künftig als Schulpfarrerin und Schulseelsorgerin an der Geschwister-Scholl-Schule in Bensheim tätig sein.
Die 1987 geborene Theologin folgt damit ihrer Frau, Pfarrerin Carina Schmidt-Marburger, an die Bergstraße. Diese hat zum 1. Juni ihren Dienst als Gemeindepfarrerin in Schwanheim aufgenommen. Der Wechsel nach Südhessen sei deshalb „eine familiäre Entscheidung“, sagt Julia Marburger. Zuletzt war sie als Gemeindepfarrerin und Seelsorgerin im Vogelsberg tätig. Nun beginnt für sie ein neuer beruflicher Abschnitt, der zwei zentrale Lebensorte von Menschen miteinander verbindet: Kirchengemeinde und Schule.
Für Marburger ergänzen sich beide Arbeitsfelder auf besondere Weise. Während die Kirchengemeinde Menschen in allen Lebensphasen begleitet – bei Taufen, Trauungen, Bestattungen und Gottesdiensten –, sei Schule der Ort, an dem Kinder und Jugendliche einen großen Teil ihres Alltags verbringen. Hier würden Freundschaften geschlossen, Krisen erlebt, Zukunftspläne entwickelt und grundlegende Fragen nach Identität, Sinn und Zusammenleben gestellt.
„Schule ist weit mehr als ein Lernort“, sagt Marburger. „Sie ist ein Lebensraum.“ Zu diesem Lebensraum gehört es natürlich Ev. Religion in allen Stufen zu unterrichten, aber auch Kinder und Jugendliche mit ihren Anliegen und Lebensfragen wahrzunehmen und zu begleiten.
Der Religionsunterricht eröffne Räume, in denen junge Menschen ihre Fragen stellen könnten, ohne sofort Antworten haben zu müssen. Glaube, Werte und gesellschaftliche Themen kämen hier ebenso zur Sprache wie persönliche Erfahrungen. Gerade in einer Zeit großer gesellschaftlicher Umbrüche und Veränderungen sei dies von besonderer Bedeutung.
Der Religionsunterricht in der Schule vermittelt grundlegendes christliches Wissen, aber er verweist stetes über dieses gelernte Wissen hinaus. Er berührt zwei grundlegende Dimensionen unseres Lebens: „Was können wir wissen? Und worauf dürfen wir hoffen?! Diese Fragen, so Marburger, „immer wieder neu zu stellen und junge Menschen bei der Suche nach ihren ganz persönlichen Antworten dazu zu begleiten, ist eine schöne Aufgabe.“
Marburgers Werdegang wurde geprägt durch den Wechsel zwischen Kirchengemeinde und Universität. Sie studierte in Mainz, Marburg und Münster. Ihr Vikariat absolvierte sie in Kleinlinden. Anschließend trat sie ihre erste Pfarrstelle in den Wetterauer Gemeinden Melbach und Södel an. Von der Gemeinde wechselte sie an die Uni Marburg. Dort arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Praktischen Theologie, unterrichtete Studierende im Fach Religionspädagogik und promovierte in einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt zum Thema „Souveränität in digitalisierten Lebenswelten“. Als Stipendiatin forschte sie für einige Monate am Princeton Theological Seminary. 2025 wurde Marburger an der Philipps Universität Marburg promoviert.
„Bildungsprozesse zu begleiten und zu fördern, gehört seit der Reformation zur DNA des Protestantismus“, sagt Marburger, diese Erkenntnis kann auch durch die momentanen Reformprozesse helfen, die letztlich einen großen Lernprozess für uns alle auf allen Ebenen darstellt.
Während ihrer Zeit im Vogelsberg, die stark vom Reformprozess „ekhn2030“ geprägt war, habe sie für sich gemerkt, dass bei allen Veränderungs- und Lernprozessen es doch eine „großartige Aufgabe sei und bleibt von Gott zu erzählen und Kirche an den verschiedenen Orten, ob im Nachbarschaftsraum, an der Uni oder nach den Sommerferien an der Schule mitzugestalten und mitzuentwickeln“, sagt sie.
Dazu gehöre immer auch die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. „Die Verbindung von wissenschaftlicher Reflexion und praktischer Gemeindearbeit prägt meinen Dienst und hilft gelassen auf die Veränderungsprozesse zu schauen. Es gehöre zum Wesen der Kirche dazu sich zu transformieren.“
Marburger freue sich besonders auf die Verbindung ihrer beiden Aufgaben im Dekanat Bergstraße und ist gespannt darauf, in welcher Weise die jeweiligen Systeme Schule und Kirchengemeinde auch voneinander lernen können.
Wer Julia Marburger begegnet, erlebt eine offene und zugewandte Gesprächspartnerin, die Freude daran hat, wenn Gespräche in Bewegung kommen und bewegen. Dabei ist es Nebensache, ob das im Klassenzimmer, Gartenzaun oder auf der Kanzel stattfindet.