Vor 500 Jahren führte Martin Luther in Wittenberg die „Deutsche Messe“ ein. An dieses Jubiläum erinnert die Evangelische Lukasgemeinde Lampertheim am Samstag, 31. Oktober, mit einem besonderen Gottesdienst zum Reformationstag. Die Evangelische Messe beginnt um 18 Uhr in der Domkirche. Sie greift liturgische Traditionen der Reformation auf und verbindet diese mit aktuellen Fragen des Glaubens und der kirchlichen Erneuerung.
Mit der Einführung der „Deutschen Messe“ im Jahr 1526 schuf Luther eine Gottesdienstordnung in deutscher Sprache. Damit sollten die Gläubigen die Gebete, Lesungen und Gesänge besser verstehen und sich aktiver am Gottesdienst beteiligen können. Die Lukasgemeinde nimmt das Jubiläum zum Anlass, die festliche Liturgie in einer Form zu feiern, die in der evangelisch-lutherischen Kirche bis heute als Grundform erhalten geblieben ist. Dazu gehört auch die Albe, ein weißes liturgisches Gewand, das Pfarrer Markus Müsebeck an diesem Abend anstelle des sonst üblichen schwarzen Talars tragen wird.
Dabei gehe es keineswegs darum, lediglich historische Traditionen wieder aufleben zu lassen, betont Müsebeck: „Es geht hierbei nicht um ein historisierendes Schauspiel, sondern um die bewusste Feier des Kernanliegens der Reformation: Achtung der Formen, aber Betonung der Erkenntnis, dass Gott den Menschen aus dessen Glauben heraus gerecht macht, nicht nach seinen guten Werken. Gleichzeitig wollen wir fragen, wie in den Veränderungen von Kirche heute auch eine Chance zu bewussterem Glauben ergriffen werden kann.“
Damit richtet sich der Blick auch auf die Gegenwart. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) befindet sich mit ihrem Kirchenentwicklungsprozess ekhn2030 in einem tiefgreifenden Wandel. Die Gemeinden stehen vor der Aufgabe, ihre Zusammenarbeit neu zu gestalten und kirchliches Leben unter veränderten Bedingungen weiterzuentwickeln. Der Reformationstag bietet nach Auffassung der Lukasgemeinde Gelegenheit, solche Veränderungen nicht allein als organisatorische Herausforderung zu betrachten, sondern auch nach ihren geistlichen Grundlagen zu fragen.
Im Mittelpunkt steht dabei eine zentrale Erkenntnis der Reformation: Nicht die Leistungen und guten Werke eines Menschen entscheiden über dessen Verhältnis zu Gott, sondern der Glaube an Jesus Christus. Er bildet nach evangelischem Verständnis zugleich das Fundament der Kirche und bleibt damit auch bei ihrer Erneuerung maßgeblich.
Die Evangelische Lukasgemeinde lädt alle Interessierten ein, den Reformationstag mit dieser besonderen Evangelischen Messe in der Lampertheimer Domkirche zu feiern.