Musikgeschichte verläuft selten geradlinig. Sie entsteht aus Begegnungen, gegenseitigen Einflüssen und dem spannenden Dialog zwischen Tradition und Erneuerung. Genau diesen musikalischen Verbindungen widmet sich das kommende Konzert der Bensheimer Orgeltage am Donnerstag, 17. September, um 19 Uhr in der Michaelskirche der Evangelischen Kirchengemeinde Bensheim (Darmstädter Straße 25).
Unter dem Titel „Brücken durch die Zeit – von der Farbe des Nordens zum Glanz des Barock“ nimmt Christian Mause die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine Reise durch die europäische Orgelgeschichte. Das Programm spannt einen Bogen von der norddeutschen Orgelkunst des 16. und 17. Jahrhunderts über die französische Barocktradition bis hin zu einem Werk des 20. Jahrhunderts.
Den Auftakt bildet die „Fantasia cromatica“ von Jan Pieterszoon Sweelinck (1562–1621). Der bedeutende niederländische Organist und Lehrer prägte von Amsterdam aus Generationen deutscher Organisten und wurde damit zu einem wichtigen Wegbereiter der norddeutschen Orgelschule.
Mit Samuel Scheidts „Alamanda“ folgt das Werk eines bedeutenden Schülers Sweelincks. Scheidt (1587–1654) verarbeitet darin eine damals bekannte Melodie in einer kunstvollen Variationsfolge.
Einen reizvollen klanglichen Kontrast setzt anschließend François Couperins „Offertoire sur les Grands jeux“ aus der „Messe pour les paroisses“. Die französische Orgeltradition setzte weniger auf die norddeutsche Kunst des Kontrapunkts als vielmehr auf den farbenreichen Klang des Instruments.
Einen Höhepunkt der norddeutschen Orgelkunst bildet Dietrich Buxtehudes „Präludium, Fuge und Ciacona in C-Dur“, BuxWV 137. Buxtehude, der als Organist an der Lübecker Marienkirche wirkte, war eines der großen Vorbilder Johann Sebastian Bachs.
Wie nachhaltig Buxtehudes Musikgeschichte bis in die Moderne hineinwirkt, zeigt Petr Ebens „Hommage à Buxtehude“. Der tschechische Komponist (1929–2007) greift charakteristische Elemente der historischen Vorlage auf und führt sie zugleich in eine eigenständige zeitgenössische Tonsprache. So entsteht ein faszinierender musikalischer Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Den Abschluss des Konzerts bildet Johann Sebastian Bachs „Präludium und Fuge G-Dur“, BWV 541. Das festliche Präludium und die souverän gearbeitete Fuge führen die musikalischen Entwicklungslinien, die mit Sweelinck ihren Ausgang nehmen, zu einem eindrucksvollen Höhepunkt.
Damit verspricht das Konzert nicht nur ein abwechslungsreiches und klanglich farbenreiches Programm, sondern auch eine spannende Begegnung mit der Musikgeschichte. Die Orgel wird zum klingenden Bindeglied zwischen Ländern, Stilen und Generationen – zwischen dem Bewahren des Überlieferten und seiner immer neuen musikalischen Interpretation.
Der Eintritt zum Konzert am Donnerstag, 17. September, um 19 Uhr in der Michaelskirche Bensheim ist frei. Am Ausgang wird um eine Spende gebeten.
Das letzte Konzert der Bensheimer Orgelwochen findet am Donnerstag, dem 24. September, ebenfalls um 19.00 Uhr in der Michaelskirche in Bensheim mit Jorin Sandau aus Darmstadt statt.