Was kann ein Mann, der vor 800 Jahren starb, den Menschen heute noch sagen? Dieser Frage widmet sich ein Vortragsabend, zu dem der überkonfessionelle Arbeitskreis „Christen in Bickenbach“ (CiB) für Mittwoch, 11. November, um 19.30 Uhr in die Evangelische Kirche Bickenbach (Darmstädter Straße 43) einlädt. Anlass ist der 800. Todestag von Franz von Assisi (1181/1182–1226), dem Begründer des Franziskanerordens. Als Referenten haben die Veranstalter Bruder Stefan Federbusch gewonnen. Der Ordensmann ist Provinzialsvikar der Deutschen Franziskanerprovinz und damit Stellvertreter des Provinzialministers, der die Ordensgemeinschaft in Deutschland leitet. Sein Vortrag steht unter dem Titel „Franz von Assisi: Seine Bedeutung für uns heute“.
Franz von Assisi zählt zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Kirchengeschichte. Der Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns aus der italienischen Stadt Assisi entschied sich zu Beginn des 13. Jahrhunderts für ein Leben in Armut und im Dienst an seinen Mitmenschen. Er verzichtete auf seinen Besitz und stellte die Nachfolge Jesu Christi in den Mittelpunkt seines Lebens. Seine Haltung zog Gleichgesinnte an und führte zur Entstehung einer Ordensgemeinschaft, deren Mitglieder sich der Armut, der Nächstenliebe und der Verkündigung des Evangeliums verpflichteten.
Bis heute verbindet sich mit Franz von Assisi eine Botschaft, die weit über die katholische Kirche hinaus Beachtung findet. Sein Einsatz für arme und ausgegrenzte Menschen, seine Wertschätzung der Schöpfung und sein Streben nach Frieden berühren Fragen, die auch die Gegenwart prägen. Angesichts sozialer Ungleichheit, kriegerischer Konflikte und der Bedrohung der natürlichen Lebensgrundlagen erscheint sein Lebensentwurf bemerkenswert aktuell. Welche Anregungen sich daraus für das persönliche Leben, das gesellschaftliche Miteinander und den christlichen Glauben gewinnen lassen, steht im Mittelpunkt des Vortrags in Bickenbach.
Der Referent Stefan Federbusch gehört dem Orden der Minderen Brüder an, dessen lateinische Bezeichnung Ordo Fratrum Minorum mit OFM abgekürzt wird. Er lebt im Franziskanerkloster in München. Als Provinzialsvikar bekleidet er nach dem Provinzialminister das zweithöchste Leitungsamt innerhalb der Deutschen Franziskanerprovinz. Damit bringt er nicht nur die Perspektive eines Ordensmannes ein, der sich der franziskanischen Lebensweise verpflichtet fühlt, sondern auch Erfahrungen aus der Leitung der Ordensgemeinschaft.
Dass der hochrangige Franziskaner für einen Vortrag in Bickenbach gewonnen werden konnte, verdankt der Arbeitskreis einem glücklichen zeitlichen Zusammentreffen. Wie Wolfgang Krichbaum vom CiB mitteilt, hält sich Federbusch im November ohnehin in der Region auf. Dies habe die Gelegenheit eröffnet, einen Vortragstermin mit ihm zu vereinbaren. Der Arbeitskreis hoffe auf eine gute Resonanz und zahlreiche Interessierte.
Hinter der Einladung steht ein Zusammenschluss von drei christlichen Gemeinden unterschiedlicher Konfessionen. Dem Arbeitskreis „Christen in Bickenbach“ gehören die Evangelische Kirchengemeinde, die Katholische Kirchengemeinde sowie die Freie Evangelische Baptisten-Gemeinde an. Sie gestalten ihre Zusammenarbeit über die jeweiligen konfessionellen Grenzen hinweg.
Mit dem Vortrag über Franz von Assisi greift der Arbeitskreis eine Persönlichkeit auf, deren Lebensgeschichte und Grundüberzeugungen auch für das ökumenische Miteinander Anknüpfungspunkte bieten. Die Veranstaltung am 11. November eröffnet die Möglichkeit, sich mit dem historischen Ordensgründer auseinanderzusetzen und zugleich danach zu fragen, welche Bedeutung seine Vorstellungen von Frieden, Einfachheit, Mitmenschlichkeit und einem verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung im 21. Jahrhundert haben können.