Gerhart-Hauptmann-Haus: Dekanat strebt Trägerwechsel an

veröffentlicht 26.10.2026 von mr, Ev. Dekanat Bergstraße

Das Evangelische Dekanat Bergstraße will die Trägerschaft für das Gerhart-Hauptmann-Haus in Scharbach abgeben. Bis zur Herbstsynode 2027 soll ein neues Trägerkonzept entstehen. Gelingt dies nicht, soll das traditionsreiche Freizeitheim vermarktet werden.

Die Zukunft des Gerhart-Hauptmann-Hauses im Grasellenbacher Ortsteil Scharbach steht vor einer grundlegenden Entscheidung. Die Herbstsynode 2026 des Evangelischen Dekanats Bergstraße hat beschlossen, für das traditionsreiche Freizeitheim im Odenwald innerhalb eines Jahres einen neuen Träger zu suchen. Gelingt es bis zur Herbstsynode 2027 nicht, ein tragfähiges Konzept für einen Trägerwechsel zu entwickeln und umzusetzen, soll der Dekanatssynodalvorstand (DSV) mit der Vermarktung der Immobilie beauftragt werden. Damit ist auch ein Verkauf der Einrichtung möglich, der nach den bisherigen Planungen ab 2028 angestrebt würde.

Die Hintergründe der Entscheidung erläuterte Pfarrerin Silke Bienhaus, Dekanin in Stellvertretung, den Mitgliedern der Synode, die in der Rudi-Wünzer-Halle in Wald-Michelbach tagte. Gegenwärtig befindet sich das Gerhart-Hauptmann-Haus in der Trägerschaft des Evangelischen Dekanats Bergstraße. Innerhalb des Dekanats kümmert sich ein Kuratorium um die Einrichtung. Ihm steht Ute Gölz, Präses des Dekanats, vor.

Sanierungsbedarf und personelle Herausforderungen

Wie Bienhaus ausführte, sprechen mehrere Gründe dafür, die Verantwortung für das Freizeitheim künftig in andere Hände zu legen. Die Gebäude stammen aus dem Jahr 1965 und wurden über Jahrzehnte gepflegt und instand gehalten. Allerdings erfolgten keine grundlegenden Anpassungen an heutige Standards. Eine Begutachtung und Bewertung der Immobilien, die der Dekanatssynodalvorstand 2025 in Auftrag gegeben hatte, ergab einen erheblichen Sanierungsbedarf. Dank der kontinuierlichen Pflege könnten die Gebäude nach der vorliegenden Einschätzung möglicherweise noch etwa zehn Jahre genutzt werden, spätestens dann wäre jedoch eine umfassende Sanierung erforderlich.

Hinzu kommen personelle Herausforderungen. Seit vielen Jahren kümmert sich Anita Hassel mit großem Engagement um die Verwaltung des Hauses. Bienhaus würdigte ihren außergewöhnlichen Einsatz und verwies darauf, dass Hassel diese Aufgabe auch lange nach ihrem Eintritt in den Ruhestand fortgeführt habe. Angesichts ihres Alters könne das Dekanat jedoch nicht davon ausgehen, dass sie die Verantwortung dauerhaft weitertragen werde. Eine Nachfolgeregelung sei deshalb absehbar notwendig.

Auch die wirtschaftliche Situation spielte bei den Überlegungen eine Rolle. Das Gerhart-Hauptmann-Haus ist nach Angaben von Bienhaus an rund 200 Tagen im Jahr belegt. Dies entspricht einer Auslastung von etwa 56 Prozent. Rund zwei Drittel der Gruppen, die das Freizeitheim nutzen, kommen aus dem nichtkirchlichen Bereich. Ein Drittel sind kirchliche Gruppen, wobei nur etwa drei Gruppen aus dem Gebiet des Evangelischen Dekanats Bergstraße stammen.

Über viele Jahre habe die Einrichtung ihren laufenden Betrieb weitgehend aus eigenen Einnahmen finanzieren können. Vor etwa zehn Jahren sei deshalb entschieden worden, das Haus weiterzuführen, solange sich Einnahmen und Ausgaben ungefähr die Waage hielten. Allerdings ließen sich auf dieser Grundlage kaum zusätzliche Rücklagen für größere Investitionen bilden. Angesichts des absehbaren Sanierungsbedarfs stelle sich deshalb zunehmend die Frage, wie der langfristige Betrieb gewährleistet werden könne.

Neue Trägerschaft hat Vorrang vor Verkauf

Der Dekanatssynodalvorstand strebt nach den Worten von Bienhaus an, die Verantwortung für den Betrieb und die bauliche Unterhaltung des Gerhart-Hauptmann-Hauses künftig abzugeben. Vorrang hat dabei eine Lösung, die den Fortbestand des Freizeitheims ermöglicht.

Eine Möglichkeit wäre, dass sich eine engagierte Gruppe von Menschen zusammenfindet, die das Haus eigenverantwortlich übernimmt und weiterführt. Denkbar wäre damit eine Trägerstruktur, die sich ausdrücklich dem Erhalt der Einrichtung als Begegnungsstätte verpflichtet fühlt. Das Haus könnte so weiterhin kirchlichen und nichtkirchlichen Gruppen für Freizeiten, Begegnungen und Übernachtungen offenstehen.

Bienhaus berichtete, dass sich bereits Menschen aus dem Umfeld der Einrichtung Gedanken über deren Zukunft machten. Auch der Dekanatssynodalvorstand beschäftige sich mit der Frage, wie vergleichbare Freizeithäuser organisiert seien und welche Modelle für eine Übernahme infrage kämen.

Für einen möglichen Trägerwechsel formulierte das Dekanat allerdings klare Rahmenbedingungen: Es wolle aus der Übertragung keinen Gewinn erzielen, sei aber ebenso wenig bereit, den laufenden Betrieb dauerhaft durch Zuschüsse zu unterstützen. Die Einzelheiten müssten in einem rechtsverbindlichen Vertrag geregelt werden.

Für die Entwicklung und Umsetzung eines entsprechenden Konzepts räumt die Synode etwa ein Jahr ein. Auf ihrer Herbsttagung 2027 soll sie dann über einen möglichen Trägerwechsel entscheiden.

Verkaufserlös soll der Jugendarbeit zugutekommen

Sollte sich bis dahin keine tragfähige Lösung finden, sieht der Beschluss die Vermarktung des Gerhart-Hauptmann-Hauses vor. Nach den von Bienhaus vorgestellten Überlegungen könnte die Immobilie ab 2028 zum Verkauf angeboten werden.

Auch für diesen Fall gibt es bereits Vorstellungen darüber, wie die bisherigen Werte des Freizeitheims künftig genutzt werden könnten. Der Erlös aus einem möglichen Verkauf soll zusammen mit den vorhandenen Rücklagen als Zustiftung in die Stiftung des Evangelischen Dekanats Bergstraße fließen.

Die daraus erwirtschafteten anteiligen Zinserträge sollen zweckgebunden der Arbeit mit jungen Menschen im Dekanatsgebiet zugutekommen. Der Vorstand der Evangelischen Jugend im Dekanat Bergstraße (EJHD) soll gegenüber dem Stiftungsrat ein Vorschlagsrecht erhalten, für welche Projekte und Angebote diese Erträge verwendet werden.

Damit könnte das Vermögen des Gerhart-Hauptmann-Hauses auch dann langfristig der kirchlichen Jugendarbeit dienen, wenn die Einrichtung selbst nicht weitergeführt werden kann.

Ein traditionsreicher Ort für Begegnungen

Das Gerhart-Hauptmann-Haus blickt auf eine lange Geschichte als evangelische Freizeit- und Begegnungsstätte zurück. Ursprünglich wurde es von den damaligen Dekanaten Darmstadt, Gernsheim und Rimbach gemeinsam getragen. Im Zuge kirchlicher Veränderungen und Zusammenschlüsse ging die Verantwortung schließlich auf das heutige Evangelische Dekanat Bergstraße über.

Die Einrichtung besteht aus zwei Gebäuden. Neben dem eigentlichen Haupthaus gehört dazu ein weiteres Haus, das ursprünglich unter anderem als Wohnung für die Verwaltung und für weitere Mieter diente. Nachdem diese Wohnungen frei geworden waren, wurde auch das zweite Gebäude für den Freizeitbetrieb genutzt.

Benannt ist die Einrichtung nach dem Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann. Das Freizeitheim liegt außerhalb des rund 500 Einwohner zählenden Grasellenbacher Ortsteils Scharbach, in der Nähe der Tromm und mitten im Naturpark Bergstraße-Odenwald. Seine ruhige Lage abseits stark befahrener Straßen macht es besonders für Kinder- und Jugendfreizeiten attraktiv.

Auf dem Gelände stehen unter anderem ein großer Fußballplatz und eine Tischtennisplatte zur Verfügung. Die Umgebung bietet zahlreiche Möglichkeiten für Wanderungen und andere Aktivitäten in der Natur. Auch das Schwimmbad im etwa vier Kilometer entfernten Hammelbach ist zu Fuß erreichbar.

Obwohl das Gerhart-Hauptmann-Haus vor allem als Begegnungsstätte für junge Menschen konzipiert wurde, steht es ausdrücklich auch Erwachsenengruppen offen. Über Jahrzehnte fanden dort Freizeiten, Seminare und gemeinschaftliche Veranstaltungen statt.

Weitere Informationen über die Einrichtung gibt es im Internet unter ghhscharbach.de.