In Verbindung bleiben, wenn Worte fehlen

veröffentlicht 18.09.2026 von mr, Ev. Dekanat Bergstraße

Wie bleibt Verständigung möglich, wenn Worte fehlen? Dieser Frage widmet sich der Hospizdienst Odenwald am Samstag, 24. Oktober, in Wald-Michelbach. Das kostenlose Seminar „Sprechen ohne Worte“ zeigt Wege auf, auch ohne Lautsprache miteinander in Verbindung zu bleiben.

Wie können Menschen miteinander in Kontakt bleiben, wenn Worte nicht mehr möglich sind? Darum geht es bei einem kostenlosen Seminar des Hospizdienstes Odenwald am 24. Oktober, Samstag, von 10 bis 16 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus in Wald-Michelbach. Felicia Schöner, Leiterin des Hospizdienstes, gestaltet den Tag unter dem Titel „Sprechen ohne Worte“. Das Angebot richtet sich an Pflegekräfte, Mitarbeitende in der Hospiz- und Palliativarbeit, ehrenamtlich Tätige sowie Angehörige.

Der Hospizdienst Odenwald in Trägerschaft des Evangelischen Dekanats Bergstraße bietet das Seminar aus Anlass des Welthospiztages und des Deutschen Hospiztages im Oktober an. Beide Aktionstage wollen die Hospizarbeit und Palliativversorgung stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken.

Das Bedürfnis nach Kontakt bleibt

Im Mittelpunkt des Seminars steht eine Situation, die Menschen in der Pflege sowie in der Hospiz- und Palliativarbeit immer wieder erleben: Ein Mensch kann nicht (mehr) sprechen. Manchmal versteht er auch gesprochene Sprache nicht mehr. Dann fällt ein wesentliches Mittel der Verständigung weg. Das Bedürfnis nach Kontakt bleibt jedoch bestehen.

Felicia Schöner beschäftigt sich mit den Teilnehmenden deshalb mit der Frage, wie Verständigung gelingen kann, wenn Lautsprache an ihre Grenzen kommt. Das Seminar nimmt die Lebenssituation von Menschen in den Blick, die sich nicht oder nicht mehr mit gesprochenen Worten mitteilen können. Dabei geht es auch um unterschiedliche Krankheitsbilder und darum, wie sie die Kommunikation verändern.

Die Teilnehmenden lernen verschiedene Möglichkeiten der Unterstützten Kommunikation kennen. Sie können dabei helfen, einen Dialog aufzunehmen, Verständigung zu ermöglichen und Nähe entstehen zu lassen. Denn Kommunikation beschränkt sich nicht auf das gesprochene Wort. Andere Formen können ebenfalls helfen, Wünsche, Bedürfnisse und Reaktionen wahrzunehmen und miteinander in Verbindung zu bleiben.

Unsicherheit und Ohnmacht

Dabei greift das Seminar auch Unsicherheit und Ohnmacht auf, die solche Situationen auslösen können. Was geschieht, wenn Begleitende nicht sicher wissen, ob sie ihr Gegenüber richtig verstanden haben? Wie lässt sich Kontakt halten, wenn unklar bleibt, was ein Mensch braucht oder mitteilen möchte? Und welche Möglichkeiten gibt es, wenn Worte für eine Verständigung nicht mehr ausreichen?

Solche Fragen gehören auch zum Alltag des Hospizdienstes Odenwald. Unter dem Leitgedanken „Wir begleiten Menschen am Lebensende“ unterstützt er Menschen am Lebensende und ihre Angehörigen. Ehrenamtlich Mitarbeitende bieten Besuche, Gespräche und Beratung an. Das Angebot steht allen offen – unabhängig von Alter, Krankheit, Religion oder Staatsangehörigkeit. Je nach Bedarf kommen die Begleitenden nach Hause, in eine Einrichtung oder ins Krankenhaus.

Dabei richtet sich der Hospizdienst nach den Wünschen der Menschen, die er begleitet. Ihre Selbstbestimmung steht im Mittelpunkt. Sie entscheiden, welche Unterstützung sie möchten und welche Fragen sie beschäftigen. Alle Gespräche und Informationen unterliegen der Schweigepflicht. Die Begleitung ist kostenfrei und erfordert keine ärztliche Verordnung. Der Dienst fasst seine Arbeit mit vier Begriffen zusammen: „Begleiten, annehmen, zuhören und beraten“.

Getragen vom Ehrenamt

Getragen wird diese Arbeit wesentlich durch ehrenamtliches Engagement. Wer sich beim Hospizdienst engagieren möchte, sollte Einfühlungsvermögen und die Bereitschaft mitbringen, über unterschiedliche Lebensentwürfe und Wertvorstellungen nachzudenken und diese zu respektieren. Der Hospizdienst bereitet die Ehrenamtlichen sorgfältig auf ihre Aufgabe vor. Auch während ihrer Tätigkeit erhalten sie Begleitung und Supervision. Zugleich gehören sie zu einer Gruppe von Ehrenamtlichen, die sich gegenseitig unterstützt.

Das Seminar am 24. Oktober knüpft an diese Arbeit an. Es richtet sich an Menschen, die beruflich, ehrenamtlich oder als Angehörige andere begleiten und dabei erleben, dass Sprache nicht mehr oder nur noch eingeschränkt zur Verfügung steht. Sie erhalten Gelegenheit, sich mit verschiedenen Wegen der Verständigung auseinanderzusetzen und den eigenen Umgang mit sprachlichen Grenzen zu betrachten.

Der (Welt-)Hospiztag

Der Termin steht zugleich im Zusammenhang mit zwei Aktionstagen im Oktober. Der Welthospiztag findet jedes Jahr am zweiten Samstag des Monats statt. Er soll weltweit die Aufmerksamkeit auf die Anliegen der Hospiz- und Palliativarbeit lenken. Veranstaltet wird er von der Worldwide Hospice and Palliative Care Alliance (WHPCA), einem internationalen Netzwerk nationaler Hospiz- und Palliative-Care-Organisationen und weiterer Partner. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützt den Aktionstag.

Eng damit verbunden ist der Deutsche Hospiztag am 14. Oktober. Der Deutsche Hospiz- und Palliativ-Verband rief ihn im Jahr 2000 ins Leben. Beide Tage verfolgen das Ziel, einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen, welche Unterstützung Hospizarbeit und Palliativversorgung schwer kranken und sterbenden Menschen sowie ihrem Umfeld bieten können.

Der Deutsche Hospiz- und Palliativ-Verband (DHPV) vertritt die Interessen der Hospizbewegung auf Bundesebene. Zugleich ist er Dachverband für mehr als 1.300 Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Deutschland.

Anmeldungen zum Seminar „Sprechen ohne Worte“ nimmt der Hospizdienst Odenwald, Am Bahnhof 8, 69483 Wald-Michelbach, entgegen. Telefon: 06207 / 948053, Telefax: 06207 / 948070, E-Mail: Hospizdienst.Odenwald(at)ekhn.de.