Klaus Traxler geht in Ruhestand – er war 37 Jahre Pfarrer in Viernheim

veröffentlicht 17.09.2026 von mr, Ev. Dekanat Bergstraße

37 Jahre lang hat Pfarrer Klaus Traxler das evangelische Gemeindeleben in Viernheim begleitet. Am 27. September wird er in der Auferstehungskirche in den Ruhestand verabschiedet. Im November endet seine außergewöhnlich lange Dienstzeit in Viernheim.

Als Klaus Traxler im Juni 1989 seinen Dienst in Viernheim antrat, wollte er mindestens drei Jahre bleiben. Vielleicht auch länger, wenn er sich wohlfühlen sollte. Aus einigen Jahren wurden schließlich 37 Jahre. Am Sonntag, 27. September, verabschiedet die Evangelische Kirchengemeinde Viernheim ihren langjährigen Pfarrer in den Ruhestand. Wenige Tage zuvor, am 19. September, wird Traxler 66 Jahre alt.

Die Verabschiedung findet bei einem Festgottesdienst in der Auferstehungskirche am Berliner Ring 74 statt. Pfarrerin Sonja Mattes, Dekanin des Evangelischen Dekanats Bergstraße, wird Traxler von seinem Dienst entpflichten. Auch das Verkündigungsteam der Evangelischen Kirchengemeinde Viernheim gestaltet den Gottesdienst mit.

Danach lädt die Gemeinde zu einem Empfang bei Kaffee und Kuchen ein. Dort besteht Gelegenheit für Grußworte und persönliche Begegnungen. Außerdem liegt ein Gästebuch aus. Darin können die Gäste Wünsche und Erinnerungen hinterlassen oder einkleben.

Ganz zu Ende ist Traxlers Dienst damit allerdings noch nicht. Tatsächlich tritt er erst im November in den Ruhestand. Dann wird er auch Viernheim verlassen. Für den Pfarrer endet damit nicht nur ein ungewöhnlich langer beruflicher Abschnitt. Er nimmt Abschied von dem Ort, der ihm über Jahrzehnte zur Heimat geworden ist.

„Für mich ist dies ein sehr seltsames Gefühl“, schreibt Traxler selbst über den bevorstehenden Abschied. Viele Menschen seien ihm vertraut und lieb geworden. Er werde sie ebenso vermissen wie die alltäglichen Begegnungen beim Einkaufen oder auf der Straße. Vor allem aber blickt er auf unzählige Gespräche zurück: nach Gottesdiensten, bei Taufen, Trauungen und Beerdigungen, bei Geburtstagen und vielen anderen Anlässen.

Menschen ein Stück ihres Lebens zu begleiten, gehörte für Traxler zum Kern seines Berufs. Seelsorge verstand er dabei in einem weiten Sinn. Es ging ihm darum, Zeit zu haben, zuzuhören und da zu sein – sofern Menschen dies wollten und als hilfreich empfanden.

In 37 Jahren begegnete Traxler Menschen aller Altersgruppen und mit sehr unterschiedlichen Einstellungen zu Kirche und Glauben. Manche engagierten sich intensiv in der Gemeinde. Andere standen ihr eher fern. Manche suchten Antworten, andere stellten Fragen. Gerade diese Vielfalt hat Traxler nach eigener Aussage geschätzt: „Dafür bin ich sehr dankbar!“

Über die Musik zur Theologie

Dass Klaus Traxler einmal Pfarrer werden würde, war in seiner Jugend keineswegs selbstverständlich. Er wurde am 19. September 1960 in Büchenbach bei Nürnberg geboren. Sein Vater arbeitete im Gepäckdienst der Bundesbahn. Seine Mutter starb, als Traxler noch ein Kind war. Nach seiner Konfirmation zog er mit seinem Vater nach Bad Vilbel. Der Vater heiratete später erneut.

Traxler wuchs nicht in einem besonders religiös geprägten Elternhaus auf. Den Weg zur Theologie fand er vielmehr über die Musik. Schon als Schüler legte er Prüfungen als Organist und Chorleiter ab. Besonders das Klavier hatte es ihm angetan.

Die Beschäftigung mit Kirchenliedern führte ihn zugleich zu religiösen Fragen. Traxler wollte verstehen, was er sang und welche Gedanken hinter den Texten standen. Nach dem Abitur dachte er deshalb zunächst an ein Studium der Kirchenmusik. Er bewarb sich an der Frankfurter Hochschule für Musik, bestand die Aufnahmeprüfung jedoch nicht. Die Erfahrung brachte ihn zugleich zu der Erkenntnis, dass seine Zukunft wohl doch nicht in einem Musikstudium lag.

Von 1980 bis 1986 studierte er Theologie in Frankfurt, Erlangen, Heidelberg und Marburg. In Erlangen lernte er auch seine spätere Frau Annerose kennen, die ebenfalls Theologie studierte. Das Paar heiratete 1987. Tochter Lea wurde 1992 geboren.

Nach dem Studium absolvierte Traxler ein zweijähriges Vikariat in Hirzenhain und das Spezialvikariat beim Diakonischen Werk. Danach standen mehrere Pfarrstellen zur Auswahl. Seine Entscheidung fiel auf Viernheim. Nicht die Schönheit der Stadt habe damals den Ausschlag gegeben, erinnerte er sich später. Vielmehr sei dort besonders dringend ein Pfarrer gebraucht worden.

Aus drei Jahren wurden 37

Als der damals 28-Jährige im Juni 1989 seinen Dienst im Friedensbezirk der Evangelischen Kirchengemeinde Viernheim antrat, waren zwei Stellen vakant. Sein Vorgänger hatte nur rund eineinhalb Jahre in der Gemeinde gearbeitet. Entsprechend skeptisch waren manche Gemeindemitglieder. Immer wieder wurde der junge Pfarrer gefragt, wie lange er denn bleiben werde.

Traxler entschied sich zunächst für Kontinuität. Einige Jahre sollten es mindestens werden. Am 25. Juni 1989 wurde er in Viernheim zum Pfarrer auf Lebenszeit ordiniert. Was damals niemand ahnen konnte: Aus dem jungen Pfarrer, der eigentlich nur einige Jahre bleiben wollte, wurde einer der beständigsten Begleiter des evangelischen Lebens in der Stadt.

Schon wenige Jahre später wurde diese Verbundenheit auf die Probe gestellt. 1993 teilte sich die damalige Evangelische Kirchengemeinde Viernheim in die Christuskirchengemeinde und die Auferstehungsgemeinde. Traxler stand dieser Entscheidung kritisch gegenüber. Er blieb dennoch in Viernheim.

Dahinter stand eine Haltung, die ihn auch in anderen Fragen prägte: Unterschiedliche Meinungen müssen ausgehalten werden. Toleranz war und ist Traxler wichtig. Zugleich hinterfragte er eigene Entscheidungen immer wieder. Selbstkritik gehörte für ihn zum Pfarrberuf ebenso wie die Frage, „Bin ich (noch) am richtigen Ort?“.

Mehr als drei Jahrzehnte später hat sich die kirchliche Struktur erneut verändert. Im Zuge des Reformprozesses „ekhn2030“ schlossen sich die Christuskirchengemeinde und die Auferstehungsgemeinde wieder zur Evangelischen Kirchengemeinde Viernheim zusammen. Damit endet Traxlers Dienst in einer Gemeinde, die organisatorisch wieder den Namen trägt, unter dem seine Viernheimer Zeit 1989 begann.

Predigten sollen zum Nachdenken bringen

Traxler verstand seine Aufgabe nie allein darin, Gottesdienste zu halten oder kirchliche Traditionen zu bewahren. Glaube sollte für ihn etwas mit dem Leben der Menschen und mit gesellschaftlichen Fragen zu tun haben.

Dabei scheute er auch unbequeme Themen nicht. Wenn ihm gesellschaftliche Entwicklungen Sorgen bereiteten oder er den Eindruck hatte, dass Egoismus und das Denken an den eigenen Vorteil zunahmen, griff er solche Fragen auch in Predigten auf. Ihm ging es dabei nicht darum, die Menschen von der Kanzel herab zu belehren. Er wollte Denkanstöße geben.

Diese Haltung passte zu einem Pfarrer, der sich selbst als liberal verstand und zugleich klare Überzeugungen vertrat. Zuhören und widersprechen schlossen sich für ihn nicht aus. Ebenso wenig bedeutete Toleranz, auf eine eigene Haltung zu verzichten.

Ein besonderes Anliegen war Traxler von Beginn an die Ökumene. Bereits bei seinem Dienstantritt 1989 kündigte er an, sich verstärkt dafür einsetzen zu wollen. Auch seine eigene Biografie brachte ihn früh mit der katholischen Kirche in Berührung. Die zweite Frau seines Vaters war katholisch, Traxler besuchte deshalb immer wieder katholische Gottesdienste.

In Viernheim fand er gute Voraussetzungen für die Zusammenarbeit der Konfessionen. Über Jahrzehnte wurde die Ökumene zu einem festen Bestandteil seines Wirkens.

Menschen begleiten

Am Ende seiner Amtszeit misst Traxler seine 37 Jahre in Viernheim allerdings nicht allein an kirchlichen Strukturen, Gottesdiensten oder Veränderungen innerhalb der Gemeinde. In seinen Abschiedsworten stehen vor allem die Menschen im Mittelpunkt.

Er sei dankbar, ganz unterschiedliche Menschen kennengelernt zu haben, schreibt er. Sein besonderer Dank gilt allen, die ihn und das Gemeindeleben aktiv begleitet und mitgestaltet haben.

Dabei blickt Traxler keineswegs nur zufrieden auf das Erreichte. Sein Rückblick fällt selbstkritisch aus. Als Christ und Pfarrer habe er versucht, „die Welt“ ein kleines Stück besser zu machen, indem er die Botschaft von Gottes Liebe in Worten und Taten weitergab. Ob ihm das gelungen sei, könne er selbst nicht beurteilen. Er sei immer wieder an Grenzen gestoßen. Für das, was er in seiner Viernheimer Zeit versäumt habe, bittet er um Verzeihung.

Auch die Zukunft der Kirche betrachtet Traxler ohne Illusionen. Christliche Gemeinden würden es vermutlich nicht leichter haben, ihre Botschaft weiterzugeben. Gerade deshalb komme es darauf an, Gemeinschaft zu leben und füreinander da zu sein.

Am Ende seines langen Dienstes steht deshalb ein Wunsch, der viel von Traxlers Verständnis von Kirche zusammenfasst: Menschen sollen spüren, dass sie ihren Weg nicht allein gehen. Sie sollen einander haben und sich von Gottes Liebe getragen wissen. Und sie sollen diese Liebe selbst weitergeben – mit Worten, mit Taten und durch die Art, wie sie miteinander leben.

Wenn Klaus Traxler Viernheim im November verlässt, gehen 37 Jahre Pfarrdienst an einem Ort zu Ende. Was 1989 mit dem vorsichtigen Versprechen begann, mindestens drei Jahre zu bleiben, wurde zu einem großen Teil seines Lebens. Viernheim war für Traxler Pfarrstelle, Wirkungsort und schließlich Heimat.