Wie konnte die erste deutsche Demokratie innerhalb weniger Jahre scheitern? Welche Rolle spielten politische Radikalisierung, gesellschaftliche Spaltung und die zunehmende Gewalt? Und welche Lehren lassen sich aus dem Untergang der Weimarer Republik für die Gegenwart ziehen? Diesen Fragen widmet sich die musikalische Lesung „Deutschland, siehst du das nicht?“, zu der die Partnerschaft für Demokratie Lampertheim in Kooperation mit der Stadt Lampertheim und der Regionalen Diakonie Südhessen für Sonntag, 25. Oktober, um 18 Uhr in die Domkirche der Evangelischen Lukasgemeinde einlädt. Der Schauspieler Roman Knižka und das Bläserquintett OPUS 45 gestalten einen Abend, der historische Texte und Musik aus den Jahren 1929 bis 1933 miteinander verbindet. Der Eintritt ist frei, eine Ticketreservierung jedoch erforderlich.
Der Titel des Programms greift eine Zeile aus Kurt Tucholskys Gedicht „Deutschland, erwache!“ von 1930 auf. Darin warnte der Schriftsteller eindringlich vor Radikalisierung, Gewalt und dem Zerfall demokratischer Werte. Wenige Jahre später war die Weimarer Republik Geschichte. Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 und der anschließenden nationalsozialistischen Machtübernahme endete Deutschlands erster Versuch einer parlamentarischen Demokratie.
Die musikalische Lesung zeichnet die dramatische Schlussphase der Weimarer Republik nach. Dabei geht es nicht allein um politische Ereignisse, sondern ebenso um das gesellschaftliche Klima jener Jahre, um Hoffnungen, Ängste und die zunehmende Spaltung der Bevölkerung. Zugleich erinnert das Programm an die kulturelle Blüte einer Epoche, die trotz wirtschaftlicher Krisen und politischer Instabilität eine bemerkenswerte künstlerische Vielfalt hervorbrachte.
Literatur und Musik erzählen von einer bewegten Epoche
Roman Knižka verleiht unter anderem Texten von Erich Kästner, Mascha Kaléko, Kurt Tucholsky, Viktor Klemperer, Sebastian Haffner und der amerikanischen Journalistin Dorothy Thompson seine Stimme. Ihre literarischen und journalistischen Zeugnisse eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen jener Zeit.
Das Bläserquintett OPUS 45 ergänzt die Lesung mit Kompositionen von Hanns Eisler, Kurt Weill, Erwin Schulhoff, Paul Juon und Jean Françaix. Hinzu kommen Swing und Schlager von Cole Porter und den Comedian Harmonists. So entsteht ein musikalisch-literarisches Panorama, das nicht nur vom Zerfall demokratischer Strukturen erzählt, sondern auch die Lebensfreude, Kreativität und Widersprüchlichkeit der späten 1920er- und frühen 1930er-Jahre erfahrbar macht.
Die Verbindung von Literatur, Zeitgeschichte und Musik ist das Markenzeichen der Zusammenarbeit zwischen Roman Knižka und OPUS 45. „Deutschland, siehst du das nicht? – Untergang der Weimarer Republik (1929–1933)“ ist bereits das achte gemeinsame Programm des Schauspielers und des Ensembles. Die Darbietungen verstehen sich dabei nicht nur als historische Rückschau. Sie wollen zugleich für die Gefährdung demokratischer Errungenschaften sensibilisieren und dazu anregen, über die Verantwortung der Gesellschaft für den Erhalt der Demokratie nachzudenken.
Ein Schauspieler mit markanter Stimme
Roman Knižka wurde 1970 in Bautzen geboren. Zunächst erlernte er an der Dresdner Semperoper den Beruf des Theatertischlers, bevor er die DDR noch vor dem Fall der Berliner Mauer über die Grüne Grenze verließ. Nach seinem Studium an der Schauspielschule in Bochum stand er zunächst am dortigen Schauspielhaus auf der Bühne. Anschließend machte er sich durch zahlreiche Fernseh- und Kinoproduktionen einen Namen.
Zu seinen Arbeiten zählen TV-Dramen, Liebesfilme, Auftritte in der Krimireihe „Tatort“ sowie nationale und internationale Filmproduktionen. Daneben ist Knižka regelmäßig als Hörbuchsprecher tätig. Seine markante und wandlungsfähige Stimme setzt er auch bei seinen Bühnenauftritten ein, mit denen er sowohl Kinder als auch Erwachsene erreicht.
Seine musikalischen Partner sind fünf erfahrene Orchestermusikerinnen und -musiker. Die Mitglieder von OPUS 45 kommen unter anderem aus der Hamburgischen Staatsoper, der Dresdner Philharmonie, dem Beethoven Orchester Bonn und der NDR Radiophilharmonie Hannover. Gegründet wurde das Ensemble im Rahmen eines Berliner Orchesterprojekts, bei dem Johannes Brahms' „Ein deutsches Requiem“ auf dem Programm stand. Dessen Opuszahl 45 wurde zum Namensgeber des Quintetts.
Mit der Zusammenarbeit beschreiten Knižka und die fünf Bläser seit einigen Jahren bewusst neue Wege jenseits der klassischen Grenzen zwischen Schauspiel, Literatur und Konzertmusik.
Kostenlose Eintrittskarten müssen reserviert werden
Die Veranstaltung in Lampertheim steht unter dem Leitgedanken „Geschichte verstehen. Demokratie schützen.“ Sie ist Teil der Arbeit der Partnerschaft für Demokratie Lampertheim, die sich für demokratische Werte und gegen Extremismus engagiert.
Beginn der musikalischen Lesung am Sonntag, 25. Oktober, ist um 18 Uhr. Einlass in die Evangelische Domkirche, Kaiserstraße 2 in Lampertheim, ist ab 17.30 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos, allerdings ist eine vorherige Ticketreservierung erforderlich. Kostenlose Eintrittskarten und weitere Informationen gibt es im Internet unter www.pfd-lampertheim.de/veranstaltungen/. Wer keinen Internetzugang hat, kann sich telefonisch unter 0151 67411116 melden.
Die Veranstaltung wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ sowie des hessischen Landesprogramms „Hessen – aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“ gefördert.