„Quo vadis, ecclesia?“ – Thomas Eberl spricht über die Zukunft der Kirche

veröffentlicht 01.09.2026 von mr, Ev. Dekanat Bergstraße

Wie sieht die Kirche der Zukunft aus? Pfarrer Thomas Eberl, Leiter des Regionalbüros Vernetzte Beratung ekhn2030, spricht am 29. Oktober in Seeheim über Herausforderungen, Chancen und Perspektiven des kirchlichen Wandels.

Wohin entwickelt sich die Kirche angesichts sinkender Mitgliederzahlen, knapper werdender finanzieller und personeller Ressourcen und eines gesellschaftlichen Wandels, der auch das religiöse Leben grundlegend verändert? Und wie kann es gelingen, diesen Wandel nicht nur als Verlust zu erleben, sondern ihn aktiv zu gestalten? Mit diesen Fragen beschäftigt sich ein Vortrags- und Gesprächsabend, zu dem die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Bergstraße Nord am Donnerstag, 29. Oktober, um 19.30 Uhr ins Pfarrer-Reith-Haus (Weedring 47) in Seeheim einlädt.

„Quo vadis, ecclesia?“ – „Wohin gehst du, Kirche?“ lautet der Titel der Veranstaltung aus der Reihe „Gott und die Welt“. Als Referent ist Pfarrer Thomas Eberl von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) zu Gast. Eberl leitet das Regionalbüro Vernetzte Beratung ekhn2030 und beschäftigt sich damit beruflich intensiv mit der Frage, wie sich Kirche unter veränderten Rahmenbedingungen zukunftsfähig aufstellen kann. Moderiert wird der Abend von Pfarrer Christoph Sames, dem Initiator der Gesprächsreihe.

Die evangelische Kirche befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Die Zahl ihrer Mitglieder geht zurück, damit verbunden sinken langfristig auch die finanziellen Möglichkeiten. Gleichzeitig verändern sich Erwartungen an Kirche und Formen religiöser Bindung. Traditionelle Strukturen und Angebote werden deshalb auf den Prüfstand gestellt. Die EKHN reagiert darauf mit ihrem Kirchenentwicklungsprozess ekhn2030. Dieser ist zwar auch mit notwendigen Einsparungen verbunden, soll sich aber ausdrücklich nicht darauf beschränken. Ziel ist es ebenso, kirchliche Arbeit weiterzuentwickeln und unter veränderten Bedingungen neue Perspektiven zu eröffnen.

Eine zentrale Rolle spielen dabei die sogenannten Nachbarschaftsräume. Benachbarte Kirchengemeinden arbeiten enger zusammen, bündeln Aufgaben und Ressourcen und übernehmen gemeinsam Verantwortung für kirchliches Leben in einer größeren Region. Auch die Zusammenarbeit der verschiedenen kirchlichen Berufsgruppen verändert sich. Pfarrerinnen und Pfarrer, Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker sowie Gemeindepädagoginnen und Gemeindepädagogen sollen verstärkt in Verkündigungsteams zusammenwirken.

Thomas Eberl kennt diesen Veränderungsprozess aus nächster Nähe. Das von ihm geleitete Regionalbüro Vernetzte Beratung unterstützt Nachbarschaftsräume und Dekanate bei der Umsetzung von ekhn2030 und arbeitet zugleich an den gesamtkirchlichen Rahmenbedingungen mit. Erfahrungen aus den Regionen werden dort gebündelt und für die weitere Entwicklung des Prozesses nutzbar gemacht. Eberl gehört außerdem dem „Sounding Board Verkündigungsteam“ an, das Erfahrungen mit den neuen Formen der Zusammenarbeit reflektiert und daraus Rückmeldungen und Vorschläge für die weitere Transformation der EKHN entwickelt.

Dabei beschäftigt sich Eberl nicht nur mit organisatorischen Detailfragen. Auch bei früheren Veranstaltungen hat er den kirchlichen Wandel in einen größeren Zusammenhang gestellt. Unter dem Titel „Licht und Luft zum Glauben – Das Modell der Nachbarschaftsräume in der EKHN“ sprach er beispielsweise 2025 gemeinsam mit Pfarrer Axel Conrad bei einer Veranstaltungsreihe, die unter dem Motto „Nicht jammern – sondern handeln“ nach Möglichkeiten fragte, wie Kirche auf die Veränderungen ihrer Rahmenbedingungen reagieren und Zukunft gestalten kann.

Daran knüpft die Frage „Quo vadis, ecclesia?“ an. Der lateinische Titel – übersetzt „Wohin gehst du, Kirche?“ – nimmt die Richtung des kirchlichen Wandels in den Blick: Welche Gestalt kann und soll Kirche künftig haben? Was muss sie möglicherweise loslassen, was sollte sie bewahren und wo können Veränderungen neue Möglichkeiten eröffnen? Und wie kann Kirche auch mit weniger Ressourcen ihrem Auftrag gerecht werden und für die Menschen vor Ort präsent bleiben?

Der Abend soll dabei nicht nur Gelegenheit bieten, sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren. Im Anschluss an den Vortrag besteht die Möglichkeit, miteinander und mit dem Referenten über die Zukunft der Kirche und die mit dem Wandel verbundenen Herausforderungen und Chancen ins Gespräch zu kommen.