Silke Bienhaus bleibt Dekanin in Stellvertretung des Evangelischen Dekanats Bergstraße. Die Dekanatssynode bestätigte die 62-jährige Pfarrerin am Freitagabend bei ihrer Tagung in der Rudi-Wünzer-Halle in Wald-Michelbach mit großer Mehrheit im Amt. Bienhaus gehört der Dekanatsleitung bereits seit April 2019 an. Mit ihrer Wiederwahl sprachen die Synodalen der Theologin das Vertrauen aus, den tiefgreifenden Wandel der evangelischen Kirche auch in den kommenden Jahren in leitender Funktion mitzugestalten. Zu den ersten Gratulanten nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses zählten Propst Stephan Arras, Präses Ute Gölz und Dekanin Sonja Mattes.
Vor dem Wahlgang hatte Bienhaus in einer persönlichen Ansprache auf ihre bisherige Arbeit zurückgeblickt und erläutert, weshalb sie das Amt weiterhin ausüben möchte. Dabei verband sie ihre Erfahrungen aus siebeneinhalb Jahren in der Dekanatsleitung mit einem deutlichen Bekenntnis zu einer Kirche, die sich gesellschaftlich einmischt, Menschen unabhängig von ihrer Herkunft oder Lebenssituation mit gleicher Wertschätzung begegnet und den Herausforderungen der Zukunft mit Gottvertrauen begegnet.
Wiederwahlverfahren bereits im Februar eingeleitet
Zunächst hatte Pfarrer Stephan Arras, Propst der Evangelischen Propstei Starkenburg, den Synodalen das Wahlverfahren erläutert und die bislang erfolgten Schritte zusammengefasst. Die reguläre sechsjährige Amtszeit von Bienhaus endet am 31. Dezember 2027. Dass die Wiederwahl bereits jetzt erfolgte, begründete Arras mit den kirchenrechtlichen Vorgaben. Diese sehen einen ausreichenden zeitlichen Vorlauf vor, damit im Falle einer ausbleibenden Wiederwahl sowohl die Amtsinhaberin als auch die Kirche Gelegenheit hätten, sich beruflich beziehungsweise personell neu zu orientieren.
Nachdem Bienhaus ihre Bereitschaft zu einer weiteren Amtszeit erklärt hatte, leitete die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) am 20. Februar das Wiederwahlverfahren offiziell ein. Am 19. März folgte eine Anhörung im Personalausschuss der Kirchenleitung. Anschließend stellte sich Bienhaus am 21. Mai dem Dekanatssynodalvorstand vor. Am 19. August wurden schließlich die Mitarbeitenden des hauptamtlichen Verkündigungsdienstes angehört. Bei keinem dieser Verfahrensschritte wurden Bedenken gegen eine Wiederwahl erhoben. Damit waren nach Angaben des Propstes sämtliche Voraussetzungen für die Entscheidung der Dekanatssynode erfüllt.
Den eigentlichen Wahlgang moderierte und leitete Ute Gölz, Präses des Evangelischen Dekanats Bergstraße. Sie gab Bienhaus zunächst Gelegenheit, sich den Synodalen vorzustellen. Anschließend erfolgte die geheime Abstimmung per Stimmzettel.
Eine Kirche, die den Menschen dient
In ihrer Bewerbungsrede machte Bienhaus deutlich, dass sie ihren Dienst über das Ende der laufenden Amtszeit hinaus fortsetzen möchte. Sie hoffe auf das Vertrauen der Synodalen, ihre Aufgaben weiterhin ebenso pflicht- und verantwortungsbewusst und aus vollem Herzen erfüllen zu können.
Die Theologin erinnerte daran, dass Begriffe wie „ekhn2030“ und „Verkündigungsteam“ zu Beginn ihrer Tätigkeit in der Dekanatsleitung noch nicht zum kirchlichen Alltag gehörten. Die Zusammenarbeit unterschiedlicher kirchlicher Berufsgruppen und Dienste sei ihr allerdings schon damals ein besonderes Anliegen gewesen. Geprägt hätten sie dabei sowohl Erfahrungen aus ihrer Jugend als auch ihre langjährige Tätigkeit in der Klinikseelsorge.
Bienhaus zeigte sich überzeugt, dass die Kirche trotz sinkender Mitgliederzahlen auch künftig eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe habe. Angesichts der politischen Entwicklungen sei sie sogar in besonderer Weise gefordert, ihren Auftrag mutig wahrzunehmen.
„Ich stehe nicht für die Kultur des Abendlandes, sondern für eine dienende Kirche, die im Hier und Jetzt danach fragt: ‚Was würde Jesus dazu sagen?‘“, formulierte die stellvertretende Dekanin. Zugleich bekannte sie sich zu einer Demokratie, die sich am christlichen Menschenbild orientiere. Jeder Mensch habe unabhängig von Erfolg oder Scheitern, Alter, Gesundheit, Herkunft oder persönlicher Lebensgeschichte denselben Wert. Aus ihrem Glauben schöpfe sie trotz aller Sorgen Hoffnung, Zuversicht und Kraft für ihren Dienst.
Hospizdienst und Notfallseelsorge als Herzensanliegen
Bei ihrem Rückblick auf die vergangenen Jahre ging Bienhaus auch auf konkrete Entwicklungen im Dekanat ein. Zu ihren Verantwortungsbereichen gehören unter anderem die Gemeindepädagogik, die Kirchenmusik, die ehrenamtliche Verkündigung, die Spezialseelsorge, der Hospizdienst Odenwald und die Gemeindeübergreifende Trägerschaft für Kindertagesstätten (GüT).
Besonders hob sie die Entwicklung des Hospizdienstes Odenwald hervor, dessen Träger das Evangelische Dekanat Bergstraße ist. Sie sei stolz darauf, dass sich der ambulante Dienst in den vergangenen Jahren weiterentwickelt habe und Menschen in ihrer letzten Lebensphase begleite. Dabei unterstrich sie ausdrücklich die interkulturelle Ausrichtung des Angebots, das auch muslimische Ehrenamtliche einbeziehe.
Ein weiteres Beispiel für die gesellschaftliche Bedeutung kirchlicher Arbeit sei die Notfallseelsorge. Bienhaus erinnerte daran, wie es durch Gespräche und beharrliches Engagement gelungen sei, den Kreis Bergstraße für eine finanzielle Beteiligung zu gewinnen. Dieser finanziere inzwischen eine Viertelstelle. Die evangelische Kirche bringe sich darüber hinaus unter anderem durch Ausbildung, Räumlichkeiten, organisatorische Unterstützung und umfangreiches ehrenamtliches Engagement ein.
Ihre eigene Arbeitsweise beschrieb Bienhaus sinngemäß als das Setzen von Impulsen, das Ermutigen anderer und das Vertrauen darauf, dass sich gute Entwicklungen entfalten können.
Neben den zahlreichen organisatorischen und gesellschaftlichen Aufgaben liege ihr das geistliche Leben besonders am Herzen. Als Beispiel nannte sie einen monatlichen Gebetskreis, bei dem Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Mitarbeitende des Dekanats gemeinsam über biblische Texte nachdenken und beten. Gerade in einer Zeit, die vielfach von Unsicherheit und Ängsten geprägt sei, brauche es geistliche Orientierung.
Bewährte Zusammenarbeit mit Sonja Mattes fortsetzen
Bienhaus ging auch auf die künftige Aufgabenverteilung innerhalb der Dekanatsleitung ein. Auf die Frage, ob sie bei einer Wiederwahl neue Schwerpunkte setzen wolle, verwies sie auf die bewährte Zusammenarbeit mit Dekanin Sonja Mattes.
Beide arbeiteten einerseits mit klar abgegrenzten Verantwortungsbereichen, stünden andererseits aber in engem fachlichem Austausch. Die unterschiedlichen Erfahrungen und Kompetenzen ergänzten sich gut. Deshalb halte sie es für sinnvoll, die bisherige Aufgabenverteilung grundsätzlich beizubehalten.
Als Beispiel führte Bienhaus die Gemeindeübergreifende Trägerschaft für Kindertagesstätten an. Diese werde ab dem kommenden Jahr 20 Einrichtungen mit mehr als 430 Mitarbeitenden umfassen. Damit entwickle sich der Bereich zu einem der größten kirchlichen Arbeitgeber in der Region. Angesichts der damit verbundenen Verantwortung und des bereits erworbenen Fachwissens wäre eine grundlegende Neuverteilung der Zuständigkeiten aus ihrer Sicht wenig effizient.
Zum Abschluss ihrer Vorstellung lud Bienhaus die Synodalen ein, gemeinsam Worte des Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer zu sprechen. Dessen Glaubensbekenntnis, dass Gott Menschen auch in schwierigen Situationen die notwendige Widerstandskraft schenke, verband sie mit ihrem eigenen Wunsch, die bevorstehenden Veränderungen der Kirche nicht von Angst, sondern von Zuversicht bestimmen zu lassen.
Langjährige Erfahrung in Gemeinde und Klinik
Silke Bienhaus bringt für ihre Leitungsaufgabe umfangreiche Erfahrungen aus unterschiedlichen kirchlichen Arbeitsfeldern mit. Nach ihrem Theologiestudium in Wuppertal, Marburg, Hamburg und Heidelberg lebte sie vier Jahre in Chicago, wo sie eine Ausbildung in Klinikseelsorge absolvierte. Ihr Vikariat führte sie anschließend in die Lampertheimer Lukasgemeinde.
Vor und teilweise parallel zu ihrer Tätigkeit in der Klinikseelsorge arbeitete sie insgesamt zwölf Jahre als Gemeindepfarrerin in Viernheim, Zwingenberg und Heppenheim. Im Oktober 2002 trat sie ihren Dienst als Klinikseelsorgerin an, den sie bis 2021 ausübte.
Bereits seit 2010 gehört Bienhaus dem Dekanatssynodalvorstand an. Zeitweise war sie zudem Mitglied der Kirchensynode der EKHN. Im April 2019 übernahm sie mit einer halben Stelle die Nachfolge des in den Ruhestand verabschiedeten stellvertretenden Dekans Hermann Birschel. Zunächst teilte sie sich das Leitungsamt mit Karl Hans Geil, dem ehemaligen Dekan des bis 2019 selbstständigen Dekanats Ried. Nach dessen Ruhestand im Jahr 2021 übernahm sie zusätzliche Verantwortungsbereiche und ist seither mit voller Stelle als Dekanin in Stellvertretung tätig.
Mit dem Votum der Dekanatssynode erhielt Bienhaus nun den Rückhalt, ihre langjährige Arbeit in der Leitung des Evangelischen Dekanats Bergstraße fortzusetzen.