Wenn das Leben aus den Fugen gerät: Ein Notfallseelsorger erzählt

veröffentlicht 10.10.2026 von mr, Ev. Dekanat Bergstraße

16 Jahre lang hat Niki Gabel als ehrenamtlicher Notfallseelsorger Menschen in besonders schweren Lebenssituationen begleitet. Seine Erfahrungen und Begegnungen hat der in Groß-Rohrheim lebende Autor in einem Buch verarbeitet. Am 12. November ab 19 Uhr stellt er sein Werk bei einer Lesung im Evangelischen Gemeindehaus Groß-Rohrheim vor. Zu der Veranstaltung lädt der Ökumene-Ausschuss der örtlichen Kirchengemeinden ein.

Es sind Augenblicke, in denen sich das Leben von einer Sekunde auf die andere grundlegend verändert: Ein Mensch stirbt unerwartet, Angehörige werden mit einer erschütternden Nachricht konfrontiert, Familien müssen einen Verlust begreifen, der zunächst unvorstellbar erscheint. In solchen Situationen stehen Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger den Betroffenen zur Seite. Sie hören zu, spenden Trost und versuchen, Menschen in einer Ausnahmesituation Halt zu geben. Einer, der diese Aufgabe über viele Jahre ehrenamtlich übernommen hat, ist Niki Gabel. Der 1975 geborene Autor lebt mit seiner Familie in Groß-Rohrheim.

Über seine Erfahrungen hat Gabel ein Buch geschrieben, das den Titel „Am Puls des Menschseins – Geschichten vom Tod über das Leben“ trägt. Darin schildert er wahre Begegnungen mit Menschen, die durch einen Schicksalsschlag aus ihrem gewohnten Leben gerissen wurden. Er berichtet von Vätern, die den Tod ihres Kindes verkraften mussten, von Ehefrauen, die nach dem Verlust ihres Partners vor einer ungewissen Zukunft standen, und von Situationen, in denen selbst einfühlsame Worte nicht ausreichten, um dem Schmerz der Betroffenen zu begegnen.

Dabei geht es dem Autor nicht allein um Trauer, Tod und Abschied. Vielmehr richtet er den Blick auf die Frage, was Menschen in scheinbar ausweglosen Situationen miteinander verbindet und ihnen die Kraft gibt, auch nach einschneidenden Verlusten weiterzuleben. Seine Geschichten erzählen deshalb ebenso von Mitgefühl, gegenseitiger Unterstützung und der Hoffnung, die selbst unter schwierigsten Umständen bestehen bleiben kann.

Ein Ehrenamt, das mit Zweifeln begann

Dass Niki Gabel einmal als Notfallseelsorger tätig sein würde, war keineswegs von Anfang an selbstverständlich. Als er sich 2008 mit dieser Aufgabe beschäftigte, standen zunächst Fragen und Unsicherheiten im Vordergrund. Er musste sich darüber klar werden, ob er den besonderen Anforderungen eines Ehrenamts gewachsen sein würde, bei dem die Begegnung mit menschlichem Leid zum Alltag gehört.

Während seiner Ausbildung entwickelte sich allmählich die Überzeugung, dass er sich dieser Herausforderung stellen wollte. In den folgenden 16 Jahren erlebte er, wie unterschiedlich Menschen auf plötzliche Schicksalsschläge reagieren und wie individuell ihre Bedürfnisse in solchen Situationen sind. Dabei lernte er, dass seelsorgerliche Unterstützung nicht zwangsläufig bedeutet, Antworten auf drängende Fragen geben zu können. Mitunter besteht die wichtigste Hilfe darin, einfach anwesend zu sein und die Sprachlosigkeit gemeinsam mit den Betroffenen auszuhalten.

Diese Erfahrung gehört zu den zentralen Gedanken seines Buches. Gabel macht deutlich, dass sich weder der Schmerz eines Menschen beseitigen noch die Zeit zurückdrehen oder ein unwiederbringlicher Verlust ungeschehen machen lässt. Gleichwohl können Anteilnahme und verlässlicher Beistand dazu beitragen, dass Betroffene mit ihrem Schicksal nicht allein bleiben.

Einblicke in eine besondere Form der Seelsorge

Mit seinen Schilderungen eröffnet der Autor zugleich einen Einblick in eine ehrenamtliche Tätigkeit, die in der Öffentlichkeit häufig nur am Rande wahrgenommen wird. Während Rettungsdienste, Feuerwehr und Polizei bei Unglücksfällen die unmittelbar notwendigen Maßnahmen übernehmen, kümmern sich Notfallseelsorgende insbesondere um Menschen, die nach einem erschütternden Ereignis seelische Unterstützung benötigen.

Ihre Einsätze führen sie an Orte, an denen sich persönliche Tragödien ereignet haben. Sie begegnen Hinterbliebenen, Unfallbeteiligten und anderen Betroffenen, die sich unvermittelt mit existenziellen Fragen auseinandersetzen müssen. Dabei verlangt die Aufgabe neben Einfühlungsvermögen auch die Fähigkeit, belastende Eindrücke zu verarbeiten und die eigenen Grenzen wahrzunehmen.

Gabels Buch vermittelt einen Eindruck davon, welche menschlichen Erfahrungen mit diesem Engagement verbunden sind. Die geschilderten Begegnungen stehen dabei für sich und lassen erkennen, dass hinter jedem Einsatz eine persönliche Lebensgeschichte steht. Statt die außergewöhnlichen Umstände einzelner Ereignisse in den Vordergrund zu rücken, beschäftigt sich der Autor vor allem mit den Menschen und ihren Reaktionen auf das Erlebte.

Auch beruflich und ehrenamtlich für Menschen da

Die Begleitung von Menschen in herausfordernden Lebenslagen prägt nicht nur Gabels frühere Tätigkeit in der Notfallseelsorge. Auch beruflich beschäftigt er sich mit Menschen, die Unterstützung und Orientierung benötigen. Er arbeitet als Amtsvormund und Berufsbetreuer und übernimmt damit Verantwortung für Personen, die in unterschiedlichen Lebenssituationen auf rechtliche Vertretung oder Betreuung angewiesen sind.

Darüber hinaus engagiert sich der Groß-Rohrheimer heute ehrenamtlich als Hospizbegleiter in Südhessen. Während die Notfallseelsorge häufig unmittelbar nach einem plötzlichen Ereignis gefragt ist, steht bei der Hospizbegleitung die Unterstützung schwerstkranker und sterbender Menschen sowie ihres persönlichen Umfelds im Mittelpunkt.

Beide Tätigkeiten unterscheiden sich damit zwar hinsichtlich ihrer konkreten Aufgaben und Rahmenbedingungen, verlangen jedoch ein hohes Maß an Sensibilität im Umgang mit existenziellen Lebenssituationen. Auch Gabels berufliche Arbeit ist von der Verantwortung geprägt, individuelle Bedürfnisse wahrzunehmen und Menschen in schwierigen Umständen zur Seite zu stehen.

Lesung im Evangelischen Gemeindehaus

Bei der Lesung in Groß-Rohrheim erhalten die Besucherinnen und Besucher Gelegenheit, den Autor und sein Buch kennenzulernen. Zu der Veranstaltung lädt der Ökumene-Ausschuss der Groß-Rohrheimer Kirchengemeinden ein. Auf die Lesung macht Petra Stumpf, Mitglied des Ausschusses, aufmerksam. Mit der Einladung richtet sich das ökumenische Gremium an alle Interessierten, die mehr über die Arbeit der Notfallseelsorge erfahren und sich mit den Themen Trauer, Trost und menschlicher Verbundenheit auseinandersetzen möchten.

Das 128 Seiten umfassende Buch „Am Puls des Menschseins – Geschichten vom Tod über das Leben“ ist 2026 im Eschbach-Verlag erschienen. Es kostet 14 Euro und ist unter der ISBN 978-3-98700-272-4 erhältlich.

Die Lesung mit Niki Gabel beginnt am Donnerstag, 12. November, um 19 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus Groß-Rohrheim, Speyerstraße 5. Weitere Informationen über den Autor sind auf seiner Internetseite www.niki-gabel.de zu finden.