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Sprüche 29,7

"Der Gerechte erkennt die Sache der Armen"

bbiewEine Szene in der Abgabestelle der Tafel in Rimbach, die wegen der Corona-Krise derzeit gerschlossen ist.

Die heutige Tageslosung „Der Gerechte erkennt die Sache der Armen“ stammt aus dem Buch der Sprüche. Dazu hat sich Pfarrer Holger Mett aus Hofheim Gedanken gemacht.

Ev.GemeindePfarrer Holger Mett

Die Corona-Krise hat uns alle getroffen. Aber besonders hart trifft es die Armen. Die wirklich Armen, die schon unter normalen Bedingungen nicht wissen, ob sie am nächsten Tag etwas zu Essen haben werden. Im Verhältnis zu ihnen klagen wir in Deutschland auf hohem Niveau. Erzwungenes Homeoffice? Einnahmeausfälle? Kurzarbeit oder gar Arbeitslosigkeit? Diese und andere Einschnitte sind wirklich harte Prüfungen, die ich nicht klein reden will. Mir würde das auch gar nicht zustehen, da ich als Pfarrer in der Corona-Zeit keine solchen Einbußen hinnehmen muss. Ich kann also eigentlich gar nicht mitreden.

Aber ich frage mich schon, warum wir in dieser weltweiten Krise so wenig über die Menschen erfahren, für die nicht nur von dem Virus eine tödliche Gefahr ausgeht, sondern viel mehr noch von den sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. Während wir in Nachrichten und Sondersendungen ausführlich über die Situation bei uns vor Ort informiert werden, hören wir kaum noch etwas von den Flüchtlingen an der türkisch-griechischen Grenze. Während bei uns überall auf die Schutzmaßnahmen hingewiesen wird, die in diesen Tagen notwendig sind,  machen wir uns wenig Gedanken darüber, wie es den Menschen in Ländern ergeht, in denen solche Maßnahmen nicht mal im Ansatz durchführbar sind.

Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von „Brot für die Welt“ und der Diakonie Katastrophenhilfe, schreibt in einem Artikel in der Frankfurter Rundschau am 9. Mai 2020: „Stetes Händewaschen? Laut den Vereinten Nationen hat etwa ein Viertel der Weltbevölkerung kaum Zugang zu sauberem Wasser. Abstand halten? In den ungezählten Slums am Rande der Megastädte ist das undenkbar; und in den gnadenlos überfüllten Flüchtlingslagern – eine Farce. Testmöglichkeiten und Schutzkleidung? Für Regierungen armer Staaten angesichts der ungeheuren Preissteigerungen auf dem Weltmarkt und nationalistischer Egoismen – unerreichbar. Medizinische Behandlung? Für Arme schon vor Corona ein Ausfall. Es gibt in vielen vor allem ländlichen Gegenden keine Hospitäler, keine Krankenstationen, keine Gesundheitsinfrastruktur.“

Gar nicht zu reden von finanziellen Rettungsschirmen, Notkrediten, Hilfsfonds, Extrazahlungen, mit denen betroffene Menschen in den Industriestaaten wenigstens rechnen können. Für die wirklich Armen dieser Welt hat es so etwas noch nie gegeben und wird es auch in Zukunft nicht geben. Unsere Bundesregierung hat einen Rettungsschirm aufgespannt und in einem Nachtragshaushalt zusätzlich 156 Milliarden Euro bewilligt. Dagegen nimmt sich die Forderung des Entwicklungsministers nach zusätzlichen 3 Milliarden für die Entwicklungsländer geradezu winzig aus. Diese wurde aber nicht bewilligt.

Wenn wir unsere heutige Tageslosung zugrunde legen, erweisen sich unsere Entscheidungsträger nicht als Gerechte. Denn sie scheinen „die Sache der Armen“ nicht wirklich zu erkennen. Oder sie ist ihnen gleichgültig. Da macht es wenigstens ein bisschen Hoffnung, dass Außenminister Heiko Maas jüngst forderte, Deutschland solle sich in der Bekämpfung der Krise weltweit noch mehr einsetzen. Auch Vertreter der Opposition verlangten entschiedene Maßnahmen, um die Schwächsten zu unterstützen. "Wir müssen bei der humanitären Hilfe klotzen und nicht kleckern", sagte die Grünen-Politikerin Margarete Bause. Gebe Gott, dass das nicht nur Lippenbekenntnisse bleiben.

Pfarrer Holger Mett, Evangelische Gemeinde Hofheim

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