Dekanat Bergstraße

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Ein Wort vom Ende für den Anfang

Von Lukas von Nordheim

Am Anfang steht ein Wort vom Ende. Denn die Jahreslosung 2026 stammt aus dem finalen Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes Kapitel 21, Vers 5: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“

„Will ich aber gar nicht!“, antwortet es trotzig. „Ich mag keine Veränderungen mehr. Alles muss immer neu sein. Da komm ich nicht mehr mit. Kann nicht mal etwas bleiben wie es ist?“ So fragst du dich in diesen Neujahrstagen, in denen du die Fenster öffnest, damit der Raclette-Dunst abziehen kann. Als die Küche gemacht ist, fegst du die Hinterlassenschaften der Silvesternacht zusammen, die vor deiner Tür gelandet sind und trägst Altglas zum Container. Fühlt sich gut an, denkst du und drehst gleich noch ne kleine Runde, triffst auf ein bekanntes Gesicht und wechselst einige freundliche Worte. Du hast ja Zeit. Ein ganzes Jahr.

Wieder zurück schließt du die Fenster, freust dich an der guten Ordnung und lässt leise Weihnachtsmusik durch deine Räume wehen. Du brühst dir einen frischen Tee auf und nimmst ein Buch zur Hand. Ein neues, das du geschenkt bekommen hast. Mal sehen ob es was taugt, das neue. Man kann ja nicht ständig dasselbe Buch lesen – wir sind ja nicht in der Kirche. Dein Blick schweift über den Weihnachtsbaum und die Krippe. Alle Jahre wieder baust du sie so auf, wie du’s seit Jahrzehnten tust. Aber jedes Jahr ist der Baum ein wenig anders. Es gab auch Jahre ohne, nur mit einem Zweig. Irgendwann kommt der auch raus. Sonst nadelt er. Der kann ja nicht ewig hier stehen bleiben.

„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“, du erschrickst über die fremde stimme hinter dir und dann lachst du, als dir klar wird, dass es nur die Radioandacht ist. Während eine Pfarrerin mit freundlicher Stimme von Neuanfängen und Hoffnung spricht, fällt dir plötzlich auf, wie viel du heute schon neu gemacht hat - gewiss nicht zum ersten Mal in deinem Leben aber heute - und wie gut es dir tut. Aber alles, wirst du in diesem Jahr nicht neu machen und den Baum, den magst du auch noch nicht rauswerfen. In diesem Jahr soll er zusammen mit der Krippe bleiben, bis die drei Weisen eingezogen sind, denn etwas alte Weisheit kann einem neuen Jahr nicht schaden, denkst du. Und als die Pfarrerin erzählt, dass die kirchliche Weihnachtszeit noch bis zum ersten Sonntag im Februar andauert, da beschließt du in diesem Jahr etwas Neues zu tun, indem du nichts tust: Der Weihnachtsschmuck darf bleiben und mit ihm die alten Botschaften: „Fürchtet euch nicht,“ „siehe ich verkünde euch große Freude,“ „euch ist heute der Heiland geboren,“ „siehe, ich mache alles neu.“

Dein Blick wandert zur Krippe und dem Neugeborenen. Neugeboren bist du nicht, an diesem müden Neujahrstag, aber von neuem beschenkt mit Lebenszeit und Tatkraft. Mit Freundlichkeit zu dir selbst und zu denen, die dir begegnen. Beschenkt mit einer guten Tasse Tee und einem neuen Buch. Den letzten Satz liest du zuerst: „Siehe, ich mache alles neu.“ Am Ende steht ein Wort vom Anfang. Hoffnungs- und erwartungsvoll schlägst du die erste Seite auf und lässt dich ein auf dieses neue Jahr.

Der Autor Lukas von Nordheim ist Pfarrer für die Evangelischen Kirchengemeinde Bensheim-Auerbach mit Hochstädten und für die Evangelische Michaelsgemeinde Bensheim.

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