Entscheiden - nicht irgendwann, sondern heute
Von Jasmin Setny
„Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt morgen aussieht.“
Das Zitat hat mich in den letzten Tagen besonders begleitet. Vermutlich, weil mir oft Menschen begegnen, mich eingeschlossen, die feststellen: Wir sind in der kritischen Phase, denn die Euphorie über die guten Vorsätze hält selten länger als drei Wochen. Danach meldet sich jemand, meist sehr überzeugend, zu Wort – der „innere Schweinehund“.
Woran liegt das?
Vermutlich an unserer Bequemlichkeit. Sie ist erstaunlich kreativ, wenn es darum geht, gute Gründe fürs Aufschieben zu finden. Aber eben auch daran, dass wir uns oft zu viel vornehmen. Mehr Bewegung, gesünder essen, weniger Handy, mehr Gelassenheit, ach ja – und bitte gleich die Welt retten. Kein Wunder, dass wir da kapitulieren.
Vielleicht liegt das eigentliche Problem aber gar nicht in den Vorsätzen selbst, sondern in etwas anderem: im Entscheiden. Entscheidungen zu treffen fällt vielen schwer. Sie sind endgültiger, als uns lieb ist. Und sie schließen auch immer etwas aus. Dabei bin ich fest davon überzeugt: Der Mut zur Entscheidung tut uns gut.
Ich kann mir natürlich lange ausmalen, welche Vorsätze mir guttun würden –
oder ich setze wenigstens einen davon einfach um.
Ich kann natürlich versuchen, immer alles allein zu schaffen –
oder mir helfen lassen und riskieren, dass es anders wird als geplant.
Ich kann natürlich jeden besonderen Moment durch die Handykamera betrachten –
oder ihn eben bewusst erleben.
Ich kann mich mit „theoretisch ja“, „eventuell“ und „unter Umständen“ durchs Leben hangeln –
oder mein „Ja“ ein Ja und mein „Nein“ ein Nein sein lassen.
Ich kann mir tausend Möglichkeiten offenhalten –
oder eine einzige wirklich leben.
„Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt morgen aussieht.“ Nicht irgendwann. Nicht, wenn alles perfekt ist. Sondern heute. In kleinen, manchmal unscheinbaren Entscheidungen. Am Ende liegt es an mir: mich zu entscheiden – oder mich nicht zu entscheiden.
Ich wünsche Ihnen ein gutes Jahr, unabhängig von allen Vorsätzen – aber mit Mut zur Entscheidung.
Die Autorin Jasmin Setny ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Heppenheim und kommissarische Leiterin der Notfallseelsorge Bergstraße.
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