Dekanat Bergstraße

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Freude in und an der Fremde

Viele Kunstwerke aus Afrika und Asien schmücken unser Haus in der Friedensstraße. Ich denke an Wayang-Stabfiguren aus Indonesien, Makonde-Schnitzerreien aus Tansania, Bildteppiche aus Botswana, Holzdrucke aus Israel und das Gemälde eines eritreischen Flüchtlings aus Heppenheim. Doch eine Schnitzerei aus Bali hat es mir besonders angetan. Ich habe es anlässlich eines Besuchs in Denpasar erhalten. Bischof Mastra von der einheimischen, protestantischen Kirche hat es mir und meiner Frau vor Jahr und Tag feierlich überreicht.

Die 50 cm hohe Figur zeigt einen Balinesen, der mit nacktem Oberkörper niederkniet und betet.  Seine Rücken ist gekrümmt, der Bauch hohl. Das Gesicht blickt konzentriert in den Himmel, die Hände pressen ein Lotusblatt zwischen den schlanken Fingern. Was man nicht sieht, ist der Besuch des Bischofs in unserem damaligen Wormser Wohnung (Juni 1985) neun Jahre nach den anregenden Wochen auf der bekannten indonesischen Ferieninsel.

Ich schreibe dies, weil der Wochenspruch zum 7. Sonntag nach dem Dreifaltigkeitsfest mich daran erinnert: "So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen." (Eph. 2,19) Paulus notierte diesen Satz vor knapp 2000 Jahren. Er will dadurch deutlich machen, dass die Grenzen der Christengemeinde über den engen Horizont einer religiösen Gruppe hinausreichen. Und wenn wir ehrlich sind, treffen wir Christen nicht nur in Afrika und Asien, sondern sie wohnen auch  in unserer unmittelbaren Nachbarschaft.

Insbesondere fühle ich mich verbunden mit der eritreisch orthodoxen Gemeinde im Kreis Bergstraße. Einige ihrer Mitglieder kenne ich seit mehr als dreißig Jahren. Ich fühle mich verbunden mit Abraham Haile, der als Pfarrer vor fünf Jahren nach Heppenheim floh. Sein in Äthiopien geborener Sohn Eyel kommt demnächst in die Schloßschule. Inzwischen leben seine Mutter und drei weitere Geschwister in der Bergsträßer Kreisstadt.

Manche von uns werden in den kommenden Tagen ins Ausland reisen, um dort Urlaub zu machen. Das ist gut so. Gut so, wenn in der Fremde nicht nur Berge und Meere uns erfreuen, sondern, wenn wir Menschen begegnen, zu denen wir sagen können: Ihr seid für uns nicht nur Gastgeber und Fremdlinge, sondern wir sind füreinander "Gottes Hausgenossen", Wir sind gemeinsam "Mitbürger der Heiligen", um die Worte von Paulus aufzunehmen.

Liebe Leserinnen und Leser, nach der langen Corona-Zeit mit  der Trennung vom Nachbar und dem Verbot des gemeinsamen Singens wünsche ich uns neue Gemeinschaft in der Heimat und Freude in und an der Fremde.

Ihr

Dirk Römer, Pfarrer im Ruhestand, Lorsch

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