Dekanat Bergstraße

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Die eigenen Grenzen respektieren

Wieviel Willenskraft braucht es im Leben? Hilft viel auch viel oder gibt es auch ein zu viel an Willenskraft?

Ich komme darauf, weil ich vor kurzem eine Begegnung hatte. Da hatte sich jemand vorgenommen, mit mir ein Seelsorge-Gespräch zu führen. Ihm lag daran und er wollte es unbedingt schaffen. Jetzt gab es nur ein Problem: er war sehr angespannt und aufgeregt und eigentlich war ihm das Gespräch zu viel. Aber zum Donner! „Ich will doch das Gespräch!“

Was macht man da? Wie geht man damit um, wenn der Wille das eine sagt und der Körper das andere? Ich habe mich gefragt, was wohl hilfreich sein kann. Mir kam die Idee, beides erst einmal stehen zu lassen, das eine wie das andere, den Wunsch und die Überforderung. Beides bekommt seinen Platz. Und dann die Erlaubnis, auch gehen zu können – in jedem Moment. Wir sind im Gespräch Schritt für Schritt gegangen, mal einen Schritt zurück und wieder nach vorne. Mal einen Moment innehalten, dann weiter gehen.

Auf diese Weise hat das Gespräch eine dreiviertel Stunde gedauert, obwohl am Anfang der Eindruck bestand, dass zehn Minuten schon zu viel sind. Die größte Herausforderung war der Ärger über sich selbst. Der hat es schwer gemacht, ja fast unmöglich. Spannend aber, dass der Ärger am Ende dem Stolz Platz gemacht hat – dem Stolz, etwas geschafft zu haben, was erst nicht möglich schien.

Der Weg dahin bestand aber nicht darin, sich anzutreiben: „Jetzt reiß dich zusammen!“ Der Weg bestand vielmehr darin, auch die eigenen Grenzen zu respektieren. Es ist in Ordnung, wenn gerade nicht mehr geht. Gerade das hat in diesem Gespräch etwas frei gesetzt, was vorher wie gebremst oder blockiert war.

Diese Erfahrung zeigt mir einmal wieder, dass Extreme meist wenig bringen oder nur das Gegenteil dessen, was gewollt ist. Hilfreich ist wohl eher, scheinbar Gegensätzliches zu verbinden und miteinander ins Gespräch zu bringen, und das betrifft innere Widersprüche wie äußere Grabenkämpfe.

Der christliche Glaube hat auch etwas mit Willen zu tun. Denn da gibt es einen Gott, der für seine Schöpfung und für die Menschen das Leben will. Und der uns dabei unterstützen will, alles beiseite zu schaffen, was das Leben hindert. Dieser Wille Gottes kommt aber in eine Welt voller Widersprüche und Zerrissenheit. Und deshalb sucht sich der Wille wie Wasser seinen Weg, mal behutsam, mal kraftvoll, aber immer mit dem Ziel, dass das Leben wachsen und sich entfalten kann.

Pfarrer Mario Hesse-Keil, Psychiatrie-Seelsorge

 

 

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