Dekanat Bergstraße

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Wenn Lieder zu Gebeten werden

Erst kürzlich fragte eine Verwandte meiner Frau, wie hältst Du es mit dem Gebet. Ich antwortete sinngemäß: „Jedes Lied ist ein Gebet“. Da kommen Lob und Klage, Bitte und Jubel zusammen. Das fiel mir ein, als ich gefragt wurde, was kannst Du zum „Beten“ sagen, denn der Sonntag trägt den Namen “Rogate“, also „betet!“, so zumindest in der evangelischen Kirche

Wenn ich abends den Tag überdenke und mir Last und Freude der vergangenen 24 Stunden vor Augen stehen, dann fällt mir ein Lied ein: „Abend ward, bald komm die Nacht, schlafen geht Welt, denn sie weiß, es ist die Wacht über ihr bestellt.“ Vier Verse sind es, sie stehen im alphabetischen Verzeichnis des Gesangbuches ganz vorne.

Aber wichtiger ist es zu wissen, wer es wann geschrieben hat und was er damit sagen wollte. Das Lied war ursprünglich ein Gedicht. Es wurde 1942 geschrieben. 1948 kam eine Melodie dazu. Der Schriftsteller war kein anderer als Rudolf Alexander Schröder: Neben zahlreichen Ehrungen erhielt der Autor 1954 den Goethepreis der Stadt Frankfurt. Der in Bremen geborene Innenarchitekt, Maler, Lyriker und Übersetzer war Mitglied der „bekennenden Kirche“. Sein Gedicht wollte deutlich machen, wer in Hitlers NS-Reich das Sagen hat.

Der damals 64jährige Poet dichtet weiter: „Einer wacht und trägt allein ihre Müh und Plag, der lässt keinen einsam sein, weder Nacht noch Tag.“ Von der Bitte um „Ruhn“ ist die Rede und von Hoffnung „dass auf gute Nacht, guter Morgen kommt“.

Mir fällt nachts ja nicht nur die Bitte um eigenes Ruhen und unsere in Deutschland weitgestreute Familie ein, sondern ich denke an die Frauen, Männer, Kinder und Alte in der Ukraine und anderen Kriegsgebieten dieser Welt, aber auch an die Frage, wer in Moskau das Sagen hat – ein sowjetischer Diktator und Kriegsherr an der Moskwa.

Ich wünsche den Flüchtlingen links und rechts der Weschnitz, zwischen Odenwald und Rhein, dass sie sich hier heimisch fühlen und bald wieder in ihre angestammte Heimat zurück können.

Es grüßt und freut sich auf ihr Lied.

Dirk Römer, Pfarrer im Ruhestand, Lorsch

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