Dekanat Bergstraße

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"Unser Glaube ist der Sieg, ..." - Statt an "Schande" zu ersticken "füreinander einstehen"

Zu meiner 'Entpflichtung als Pfarrer in der Evangelischen Heilig-Geist-Kirchengeinde' erhielt ich von dem damaligen Bürgermeister der Kreisstadt Heppenheim, Gerhardt Herbert, ein kleines Büchlein, dass mir jetzt beim Aufräumen wieder in die Hände fiel. Das ist zehn Jahre her. Das Buch enthält Geschichten des vormaligen Lehrers Wilhelm Holzamer. Er lebte um die Jahrhundertwende (1870 - 1907) und schrieb sozialkritische Texte.

Eine Geschichte hat es mir angetan: "Sein Sieg". Erzählt wird von Hannes, dem verschuldeten Bauern. Seine Frau war schon verstorben und die Kinder in alle Welt verstreut. Der Hof steht zur Versteigerung an. Sein studierter Bruder Johannes, der "heute im Fett in Frankfurt sitzt" will Hannes aus dem elterlichen Haus in Rheinhessern verjagen. Dieser ist zerstört am Boden, doch mit letzter Kraft stößt er gegenüber den anwesenden Steigernden aus: "Meine Schand ist's nit. Mein nit!". Und Hannes nimmt das Bündel mit seinen verbliebenen Habseligkeiten, sowie seiner Axt und geht mit erhobenem Haupt vom Hof.

Warum berichte ich von Wilhelm Holzamer mit seiner Geschichte "Sein Sieg"? Weil sie mich berüht auch mehr als 100 Jahre nach ihrer Niederschrift und weil der biblische Leitvers für die kommende Woche auch vom "Sieg" spricht: "Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat" (1. Joh. 5, 4). Der Schreiber des 1. Johannes-Brief (um 100 n. Chr. im oströmischen Reich) warnt vor gnostischen Irrlehrern, die die Einheit von Glauben und Leben geringschätzen, sie missachten die "Bruderliebe", die Notwendigkeit füreinander einzustehen.

Die Geschichte aus dem 19. Jahrhundert ist eindeutig. Holzamer lässt den verschuldeten Hannes den Vorwurf der "Schande" über sein bitteres Schicksal von sich weisen. Der Schriftsteller rät Hannes, mit seiner wieder gefundenen Axt draußen in der Welt zu arbeiten.

Die Erzählung Holzamers macht Mut. Selbst in der ausgeweglosesten Situation läßt sich ein Ausweg finden, sozial und religiös, wenn wir die "Bruderliebe" ernst nehmen. Die angebliche "Schande" oder die "Sünde" ist besiegt, sagen wir Christen im Blick auf Jesus. Das gilt gegenüber allen Hartz IV-Empfängern, ob sie in Deutschland, Europa oder Afrika geboren sind.

Ihr

Dirk Römer, Pfarrer im Ruhestand, Lorsch

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